Nix für Neger!

Erstellt: 17.12.2013  Lesedauer 1 - 2 Min.

Es gibt diese eigentümlichen Häufungen von Ereignissen. Da stirbt ein berühmter oder zumindest sehr bekannter Mensch und — zack — stirbt mindestens noch einer (Nelson Mandela, Peter O´Toole, Pray Price, Joan Fontaine). Oder bei „Wetten, dass…“ geilen sich ein paar am Schwarz anmalen auf und — zack — toppt das eine Angestellte eines Hermes-Paket-Shops. „Keine Pakete für schwarze Leute“.

Könnte man als IQ unterhalb der geistigen Armutsgrenze verorten, aber einerseits liese sich das dann als Entschuldigung werten und andererseits sprechen einige Indizien dagegen. Die Erklärung für diesen Standpunkt: dunkelhäutige Menschen seien per se Betrüger und die Hermes-Zentrale habe das deshalb so angeordnet. Hossa!

In einem Fernsehbericht hat Hermes gleich Konsequenzen gezogen und — angeblich — den Vertrag mit dem Kiosk fristlos gekündigt. So etwas hat man selbstverständlich niemals nie nicht von den Paketstellen gefordert.

Blöd wäre, wenn jetzt eine Rundmail auftauchen würde, die eine entsprechende Ansage zurückruft. Wobei ein ausgebuffter Anwalt dafür sicherlich eine angemessene Formulierung finden würde, mit viel Konjunktiv, der unterstreicht, dass das natürlich niemals gesagt geworden sein könnte, allenfalls missverständlich aus einer vorangegangenen Information auf Grund unglücklicher Formulierung durch unaufmerksames Lesen womöglich so hätte fehlinterpretiert werden können, wobei das sich natürlich aus dem Selbstverständnis des Unternehmens heraus als offensichtlich falsche Schlussfolgerung sofort hätte erkennen lassen müssen. Oder so.

Aber es wurde ja nicht mal andeutungsweise so etwas an die Paketshops ausgegegeben, also braucht es das nicht. Zumindest will ich das Hermes zugute halten und den Worten des Unternehmenssprechers Glauben schenken.

Der Klopfer ist, dass die Dame im Kiosk ihren Standpunkt offenbar kackfrech vor Polizisten wiederholt hat und selbst der Personalausweis der Betroffenen (deutsche Staatsbürgerin) und der Abholschein vom Paketboten anfänglich nicht geholfen hat. Ist natürlich klar: hat die böse Negertante bestimmt alles zusammengeklaut oder selbst gemalt. Sind ja alles Betrüger, diese Schwarzen. Nach einigem Hin und Her durfte die Paketbesitzerin dann doch die Weihnachtsgeschenke für Ihre Kinder mit heimnehmen. „Ausnahmsweise“, wie die Kiosk-Dame dem Fernsehbericht zufolge wohl betont hat. Da huldigt jemand offenbar tiefen, außerordentlich bedenklichen Überzeugungen.

Ich habe sehr großen Respekt vor der Betroffenen, die sich nicht versteckt, sondern im wortwörtlichen Sinne Farbe bekennt, während die anfangs dem Anschein nach sehr resolute Kiosk-Tussi im Fernsehen lieber nicht erkannt werden will (weil verpixelt) und irgendwie keinen erklärenden Satz herausbringt. Wobei das sogar nachvollziebar ist, denn das ist so dummdreist und menschenverachtend, dass es schlicht unerklärbar ist. Schön, dass sie so blöd war, das im Beisein der Polizei zu wiederholen, die das offenbar auch völlig überrascht hat. So ist jedenfalls sichergestellt, dass die Betroffene nicht als Lügnerin verunglimpft werden kann. Allerdings habe ich aufrichtige Sorgen, dass hier die Falsche durch verpixeln geschützt wurde. Dabei hat die Betroffene eigentlich keinen Grund zum Verstecken. Ich wünsche ihr spontanen Applaus von allen, denen sie in den nächsten Tagen begegnet. Meinen hat sie.