Relativität II

Erstellt: 11.12.2013  Lesedauer 2 - 2 Min.

Ich grüße meine Nachbarn, wenn ich sie sehe. Ist einerseits eine Sache der Erziehung, andererseits finde ich es angemessen. Ein bisschen Freundlichkeit bringt mich nicht um, deshalb muss ich nicht gleich jeden Tag mit ihm um die Häuser ziehen. Klar.

Es gibt auch Nachbarn, da fällt es schon mal etwas schwerer. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass es irgend einen Spruch von Konfuzius gibt, der sowas in der Art Zeige deinem Gegner Respekt lautet. Nicht Grüßen hat was von Schwäche zeigen. Und wenn es nur das Kleingeistige ist, dass man damit zur Schau trägt.

Bemerkenswert ist, wie sich die Medien1 darauf stürzen, wenn sich zwei Nachbarn bei einer Veranstaltung begegnen und — wie sich das halt meiner Meinung nach gehört — respektvoll die Hand schütteln. Wenn es Bauer Hein und Nachbar Blöd gewesen wären, hätte es wohl keinen interessiert, wenn es Raúl und Osama machen, lässt sich da alles Mögliche hinein interpretieren. Stellt sich die Frage, was wohl passiert wäre, wenn nichts passiert wäre. Also kein Shake Hands. Irgendwie ziemlich knifflig, dieses diplomatische Parkett. Wenigstens konnte man sich darauf zurück ziehen, dass der Verstorbene Mandela das alles von langer Hand vorbereitet hat. Selbst im Tod hat er aus Feinden Freunde gemacht. Oder so.

Beschämend finde ich, dass sich die Amerikaner nun bemühen, dass Ganze als dummen Zufall hinzustellen. In ein paar Tagen wird es womöglich gar heißen, der böse Kommunistenschuft habe sich dem Führer der freien Welt aufgezwungen. Wie der Spiegel zu berichten weiß, hat das ja schon mal geklappt. Damals war halt noch ordentlich Glück im Spiel, weil keine Kameras drum herum standen. Jetzt sogar Video — da kann man doch fast schon wieder unterstellen, dass der Medienprofi Obama … — ; wir werden sehen, wer das was wie dreht.

Mit Blick auf die veränderte politische Weltkarte frage ich mich, was das Geschmolle der Amerikaner soll. Ein Wirtschaftsembargo ist in meinen Augen jedenfalls nichts, womit sich wirklich was reißen lässt. Das sollte nach über 50 Jahren langsam klar sein. Ich war schon mal in Kuba. Da finden zwar alle den Dollar toll, weil er schlicht mehr Möglichkeiten bietet, als es die Landeswährung tut. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, dass es Einwohner dazu drängt, wieder die exterritoriale Spielhölle oder Lustwiese des großen Nachbarn zu werden. Das Anmuffeln hat für meinen Geschmack eher etwas damit zu tun, dass da jemand vor der Haustür sitzt, der sich nicht klein macht, sondern trotz Mangel Würde und Stolz hat. Lässt sich halt nicht alles mit Dollars kaufen.

Klar wäre es schöner, wenn es Freizügigkeit gäbe. Ob eine offene Grenze Kuba zu einer unbewohnten Region machen würde, stelle ich allerdings in Abrede. Und ob die freien Amerikaner im Vergleich zu einem Kubaner tatsächlich freier sind, würde ich aus meiner Sicht keinesfalls als gesichert annehmen. Ist halt die Frage, wie man Freiheit definiert.


1Ich stelle fest, dass ich mich auf die in den letzten Tagen irgendwie ein wenig einschieße.