Kontrollierter Kontrollverlust

Erstellt: 19.06.2014  Lesedauer 2 - 3 Min.

980 Stück. Dann soll Schluss sein. Schluss mit Panzer bauen. Danach werden sie in der Fabrik Kürbisse züchten, die Algerier. Oder wie muss ich mir das vorstellen?

Wir verkaufen eine komplette Waffenfabrik in ein Land, vor dessen Besuch das auswärtige Amt warnt. In der Warnung steht:

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in entlegene oder nicht hinreichend durch wirksame Polizei- oder Militärpräsenz gesicherte Gebiete der Sahara, ihrer Randbereiche und der Sahelzone eindringlich ab.

Das wird ja dann demnächst alles besser. Mit unseren 980 Panzern. Genau 980 und danach werden die keine weiteren bauen. Erst recht nicht, werden die welche weiterverkaufen. Warum sollten sie das auch. Haben sie uns ja versprochen. Doch wer sind wir und wer sind die?

Wir sind Daimler, Thyssen-Krupp und Rheinmetall, die sind … unklar. Was auf jeden Fall klar ist: Panzer, die in Algerien gebaut werden, sind kein Diskussionsthema im Bundestag. Was Frau Kanzler peinliches ausweichend antworten müssen erspart. Partner im Kampf gegen den Terror ist die Zauberformel. Mit 980 Panzern gegen Selbstmord-Kommandos. Wenn genug drumrum stehen, passiert niemandem was, oder wie soll ich mir das vorstellen?

Da fühle ich mich als Bürger dann auch total sicher, wenn an jeder Ecke so ein schicker Fuchs aus Deutschland steht. Entgegen alter Freundschaften, die Algerien lieber unter der Kontrolle Frankreichs sahen. Späte Entschuldigung aus Krupp-Stahl. Zum Schutz der Bevölkerung? Wohl eher nicht. Algerien hat Gas und Öl und sonst nicht viel.

Als Algerien sich von Frankreich losgeeist hatte, war man schnell Partner und der Perlentausch konnte losgehen. Du bekommt von mir Waffen, damit du auf mein preiswertes Öl und mein preiswertes Gas aufpassen kannst. Im Trendbericht wird die Sicherheitslage als bedenklich eingestuft. Offenbar nicht bedenklich genug, um den Verkauf einer ganzen Panzerfabrik vor Ort in Frage zu stellen.

Aber was reg ich mich auf. Waffenverkäufe florieren am besten, wenn die Waffen auch möglichst schnell kaputt gehen. Wo passiert das? Klar! Bei entsprechender Benutzung, also schießen und beschossen werden. Die Fabrik vor Ort ist da ein klarer Liefervorteil und spart diese nervigen Diskussionen der Art „dürfen wir denn da was hinliefern, bla, bla, bla“.

Krieg ist geil, weil Krieg Umsatz macht und Arbeitsplätze sichert. Wär halt nur blöd, wenn die Panzerfabrik der anderen Partei in die Hände fällt, die eigentlich mit unserm schicken Fuchs beschossen werden soll. Wenn die dann damit die beschießen, die uns für die Fabrik bezahlen sollen, dann wäre das echt beschissen. Für Rheinmetall, Thyssen-Krupp und Daimler. Wobei es da sicher irgend einen Arme-Firmen-Schutz-Fond bei der Bundesregierung gibt, die den Ausfall von Firmeninteressen (=Geld für Aktionäre) über Steuergelder absichert.

Wie das mit Versprechen in der Politik ist, wissen wir ja hinlänglich, bekommen es täglich von unserer Bundesregierung vorgeturnt. Was geb ich auf mein Geschwätz von gestern. Werden die in Algerien sicher nicht anders machen.