Lichtgrenze?

Erstellt: 13.12.2014  Lesedauer 2 - 3 Min.

Das Wort des Jahres. — Was hat dieses Jahr mit diesem Wort zu tun?

Laut Wikipedia ist damit „ein Schlagwort bezeichnet, das für ein charakteristisches Ereignis oder eine bezeichnende Diskussion des abgelaufenen Jahres steht und aus diesem Grund besonders hervorgehoben wurde“.

Nunja. In Berlin mag man darüber schon etwas länger geredet haben. In der Republik kam das allenfalls bei sehr in­te­ressierten an und wurde dann ent­sprech­end medial betrommelt, als sich die „Lichtgrenze“ durch Berlin zog. Schon cool, was man mit rund 3 Mio. € anstellen kann, die nicht in die Stadt fließen, sondern in Kunst.

Nichts gegen Kunst, sah gut aus, war eine schöne Idee. Eine Grenze, die sich in Luft auflöst. Aber deshalb „Wort des Jahres“? Fatal­erweise über­schattet das „Wort des Jahres“ jetzt bei der Suche mit Google & Co. nach „Lichtgrenze“ das eigent­liche Ereignis.

Charakteristisch für das Jahr 2014 finde ich das Wort jedenfalls ebensowenig, wie es eine be­zeich­nende Diskussion darum gegeben hätte. Allenfalls jetzt, wenn sich Menschen fragen, die von Reportern gefragt werden, was sie da gefragt werden. Womit die GfdS, die Ge­sell­schaft für deutsche Sprache, das für sie Wesentliche erreicht haben dürfte. Man ist im Gespräch.

Wer da wählt, die Jury, warum sie oder er das gewählt hat, ist in Schweigen gehüllt. Das macht die Ge­sell­schaft für deutsche Sprache. Wobei die Ge­sell­schaft, die Deutsch spricht sicherlich auf eine ganze Menge alternative Begriffe käme. Aber die fragt ja keiner.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Lichtgrenze ein auch heute noch durchaus gebräuchlicher, as­tro­nomischer Begriff ist, nämlich die Trennline zwischen leuchtender und un­be­leu­chteter Fläche, der schon im Goethe-Wör­ter­buch vorkommt, muss die Frage erlaubt sein, wie eine GfdS das übersehen kann. Wenn man sich doch als Bewahrer und Pfleger der Sprache definiert.

Dass „Lichtgrenze“ in besonderer Weise die großen Emotionen wieder­spiegeln soll, möchte ich zumindest vorsichtig in Frage stellen. Ich denke, dass eine ganze Menge Zuschauer lieber im Sommer bei angenehmen Tem­per­aturen dem Spektakel beigewohnt hätten. Wäre dann halt erst später gewesen, weil es mit Sommerzeit im Sommer abends verdammt lang hell ist.

Ob die Anwesenden damit tatsächlich den Mauerfall verbunden haben, oder einfach Bock auf eine coole Show hatten? Wer weiß. Wurden ja wieder nicht die gefragt, die in Scharen in der Kälte standen, sondern die, die sowas gern be­darfs­weise in­ter­pretieren und dafür Geld locker machen (s. o. „Kunst“).

Und weil von der GfdS den Rest des Jahres kein Schwein spricht, die aber vermutlich ebenfalls im We­sent­lichen von Steuer­geldern getragen wird, was Rück­schlüsse auf die Motivation der „Jury“ erlaubt, hat man seine Pflicht erfüllt. Für irgendwas muss die Kohle ja gut sein.

Wenn ich mir allerdings Ge­setz­bücher und Ver­ord­nungs­entwürfe des Bundestages anschaue, weiß ich nicht, ob das eine gute Investition ist. Bei dem über­wie­genden Kau­der­welsch und Platitüden sollte man keine Zeit auf Grammatik und Zei­chen­setzung ver­schwenden. Macht es nicht besser.