Schmarotzer

Erstellt: 13.04.2014  Lesedauer 2 - 3 Min.

Heute morgen meldet mir mein Passwortmanager KeePass, dass es eine neue Version gibt. Weil es früh und ich noch nicht so wach war, klicke ich weg, mache, was ich machen wollte und denke mir: Och, mit Updates hattest du die letzten Tage ein bisschen Pech, bei KeePass ist das eine sichere Bank. Auch kleine Erfolgserlebnisse können glücklich machen.

Also im Browser keepass.org eingegeben, weil so früh und müde die Meinung obsiegte, dass so ein cooles Tool eine org-Adresse hat. Das rüttelte mich dann aber wach. Denn da landet man auf einer obskuren Seite, die zwar ebenfalls einen Passwortmanager präsentiert, der heißt aber anders und kostet. Wozu sonst gibt es den Menüpunkt „Purchase“? Viele bunte Bilder sollen Appetit machen, wobei mich deren Präsentation eher abschreckt. Sieht nach Webservice aus, der in den USA gehostet wird. Ich habe das daher nicht weiter verfolgt, da diese beiden Annahmen schon für eine abschlägige Entscheidung reichen. Allerdings frage ich mich, warum die sich auf die Webadresse eines anerkannt guten Produkts aus Deutschland draufsetzen. Die Zahl der Webseiten ist für jemanden, der Geld nimmt, eher sekundär. Für ein ohne wenn und aber kostenloses Produkt, wie es KeePass ist, sieht das schon etwas anders aus.

Die Argumentation der verschiedenen Plattformen wird dort durch verschiedene Programm-Varianten gelöst, die mit der gleichen, hochverschlüsselten Datendatei arbeiten können. Die sind womöglich nicht alle auf deutsch verfügbar wie das Mutterprogramm, aber sehr wahrscheinlich allesamt verlässlicher als die Zufallsalternative, die mutmaßlich sowieso kein Deutsch spricht (wenn das ein Argument sein sollte, ist allenfalls ein Bequemlichkeitsaspekt). So war auch die erste Installationserfahrung in der neuen Woche vor allem ein Aufmerksamkeitstest. Die eigentliche Installation erfolgte - wie erwartet - extrem geschmeidig. Da ich die Portable-Version nutze, muss ich lediglich die Dateien aus dem Zip in mein bestehendes Verzeichnis kopieren. So geht´s halt auch.

Anwenderfreundliche Lösungen bringen leider zwangsläufig Leute auf die Idee, dass man sich den Erfolg anderer zum eigenen Nutzen unter den Nagel reißen kann. Im Internet schnell, einfach und preiswert durch Registrierung einer namensverwandten Webseite möglich. Sehr ärgerlich, aber ein Appell, dass man sich gegenläufig verhalten muss: Je einfacher es scheinbar wird, desto aufmerksamer muss ich als Einzelner prüfen, ob das denn überhaupt sein kann, was mir da geboten wird. Ich räume ein: Ein kostenloser Passwortmanager zum Download aus dem Internet gehört da eher zu den Sachen, die stutzig machen. Hier hilft womöglich, dass es das Programm sogar bei Wikipedia gibt. Vom Produkt, dass sich schamlos via Webadresse ranwanzt, findet sich nichts.

Was mich selbst betrifft, bin ich schon seit Urzeiten Nutzer und Fan von Keepass. Deshalb finde ich es zwar ärgerlich, dass jemand sich ins Fahrwasser wirft, andererseits ist es die höchste Form der Anerkennung. Niemand nutzt Dreck als Werbeunterstützung. Andersherum wird womöglich ein Schuh draus: Dreck macht das.