Stolpersteine

Erstellt: 25.03.2014  Lesedauer 2 - 3 Min.

Aktualisiert!Ein noch ungesendeter Tatort schlägt im Vorfeld Wellen. Ich persönlich empfinde eher das Gegenteil. Irgendwo anders hatte ich gelesen, dass die Komminsarin den „Stolperstein“ von Selma Jacobi vor Ihrer Haustür hätte und ihr das immer durch den Kopf geht. Ein lebendes Andenken als jemand, der einen ehrenwerten und wichtigen Job macht — was sonst ist der Beruf einer Kommissarin? — in einem Fernsehfilm sehe ich nicht als ehrenrührig oder respektlos an. Der „Stolperstein“ von Frau Jacobi wird mit dieser Namenswahl viel größer und nicht mehr mit Füßen getreten. Genau das passiert ja mit den Gedenksteinen im Bürgersteig. Da regt sich offenbar niemand drüber auf.

Nüchtern betrachtet würde es wahrscheinlich niemand interessieren, wenn die Schauspielerin keine Verbindung hergestellt hätte. So gesehen ist jeder Name in irgend einer Weise „vorbelastet“. Also was soll dieses tumbe Geschrei?

Nachtrag: Die Berliner Morgenpost meldete, dass der HR eingeknickt ist — der Name wird geändert. Bemerkenswerterweise haben sich die Nachfahren von Frau Jacobi gemeldet und teilen meine geäußerte Einschätzung. Und haben Sie offenbar über die Diskussion schlapp gelacht.

Dass es intelligenter geht, zeigt das nebenstehende Bild. Das ist ein Stolperstein, an dem sich die waffenvernarrten Amerikaner die Zehen stoßen. Ich finde diesen Vergleich interessant. Denn in dieses Bild lässt sich — wenn man die Gedanken schweifen lässt — weit mehr als keine Waffen für Kinder hineininterpretieren.

Angefangen mit der Frage, warum das weiße Mädchen die Waffe hält und das dunkelhäutige das Buch. Das Buch gibt es nicht an Schulen. Könnte man also auch so lesen, dass dunkelhäutigen Menschen in der USA Bildung verwehrt wird. Und hellhäutige Menschen in den USA alles haben können bzw. es sich halt nehmen. Einfach weil sie die Mittel dafür haben. Weit hergeholt. Ist mir schon klar. Aber es schoss mir dabei durch den Kopf. Was bedenklich genug ist.

Spätestens hier setzt bei mir ein autonomes Kopfschütteln ein. Von ganz weit unten kriecht es den Hals hoch und ich kann es nicht unterdrücken. Das erinnert mich an den Standardspruch von Obelix, nur dass er nicht von den Römern spricht. In beiden Fällen eine Großmacht, eine davon ist untergegangen. Bei der anderen könnte man auf diesem Hintergrund fast den Eindruck bekommen, dass Macht nur mit Waffen realisierbar ist, die gemeinsam auf andere gerichtet werden. Wenn man sich nicht mehr einig ist, dann hat man Syrien, etc. — da schießen sich die vormals zumindest schadlos nebeneinander Lebenden jetzt gegenseitig tot. Was in den USA ebenfalls regelmäßig passiert und da offenbar zum alltäglichen und gesellschaftlich akzeptierten Lebensrisiko beim Besuch einer Schule, Einkaufsmeile, Kirche oder eines Kinos gehört. Geschossen wird auch mit Waffen, durch die ausgerechnet wir Deutschen unsere Außenhandelsbilanz solide verbessern. Für mich ist Letzteres der größte Aufreger.

Nachtrag 2: Die Bilder der verknüpften Originalseite waren regelmäßig schlecht erreichbar und wurden deshalb nicht dargestellt. Daher hoste ich sie jetzt hier lokal, denn diese Gedanken will ich gern verbreiten. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass Sie von der Seite momsdemandaction.org stammen und ein Besuch dieser Seite lohnt und nachdenklich macht.