Wenn die Sprache Unsinn wird

Erstellt: 21.10.2014  Lesedauer 2 - 3 Min.

Jeder kennt das. Ein Wort im Satz vergessen und da steht dann irgendwie Unsinn. Oder irgendwie Fragwürdiges. Heute gibt es wieder einmal Überschriften, die primär ein Ziel haben. Sie sollen „reißen“. Allerdings bin ich nicht sicher, ob das wirklich immer klappt:

Privatjet kollidiert mit Schneepflug: Todes-Crash im dichten Nebel Der Chef des französischen Energiekonzerns Total, Christophe de Margerie, ist bei einem Flugzeugabsturz in Moskau ums Leben gekommen.

Die hier zitierte Überschrift mit Untertitel wurde während des Schreibens dieses Beitrags verändert, s. Bild. Ob das besser ist, zweifle ich vorsichtig an.

Da schreibt heute Morgen Focus in die Kopfzeile eines Artikels. Schneepflug, Nebel, Jet, Absturz, Betrunkener — eine gewisse Irritation löst das bei mir schon aus. Besoffen reicht ja wohl nicht, der muss was Härteres genommen haben, wie hat er sonst den Schneepflug zum Fliegen bekommen, damit der dann einen Jet abstürzen lässt? Oder ist es dann doch nur ein Zusammenstoß gewesen?

Wenn dann im weiteren Text steht, dass der Jet beim Start mit einem Schneepflug zusammenstieß, frage ich mich, wie er abstürzen konnte, wenn er offenbar unten war. Denn wäre er geflogen, hätte der Schneepflug wohl kaum im Weg gestanden.

Serienkiller: US-Ermittler fassen mutmaßlichen Frauenmord

So titelt Spiegel. Der Frauenmord wurde gefasst! Das ist natürlich eine Meldung, jetzt werden nur noch Männer umgebracht. Frauenmord wurde ja gefasst.

Schwedens Militär informierte absichtlich falsch über U-Boot-Position

Die Süddeutsche ist empört. Ich frage mich, wer da noch sein Hirn beim Schreiben nutzt. Wenn ich einen Einbrecher jage, teile ich natürlich in den Medien mit, in welchem Haus ich ihn suche, ist klar. Dann beschweren sich die Medien drüber, dass sie dümmer sind als der Einbrecher. Darüber wird am 20. October berichtet. Wenn selbst die Süddeutsche keinen Wert mehr auf Rechtschreibung legt, will ich da aber keinen Bericht über Jugendsprache oder sonstige Auslassungen bezüglich Sprach-Verwahrlosung lesen.

Bemerkenswert ist, dass man das mit dem k am Tag zuvor noch wusste, dafür aber mit der korrekten Zeichensetzung für die Anführungszeichen nachlässig wurde. Klar ist das jetzt etwas kleinlich, allerdings steht die Frage für mich deshalb im Raum, weil eben diese Zeitung ein Rechtschreibquiz anbietet. Da ist bei der Auswertung zumindest Vorsicht geboten.

Dagegen ist der Titel „Jetlag bringt den Darm aus dem Rhythmus“ fast schon ein komplexes Denkspiel. Denn manchmal wird der Unsinn gut getarnt.

Jetlag: Störung des biologischen Rhythmus aufgrund der mit weiten Flugreisen verbundenen Zeitunterschiede

So steht es im Duden. Ich stelle mir die Frage, wie alles — außer dem Darm — bei einem Jetlag aus dem Rhythmus kommen könnte. Denn das impliziert die Überschrift. Im anschließenden Artikel wird ausführlich darüber berichtet, dass der Darm ebenfalls einen Schlafrhythmus hat. Da wäre ich jetzt nie drauf gekommen. Ich stelle mir jedoch die Frage, wie der Hell-Dunkel-Wechsel die Bakterien im Darm beeinflussen könnte. Denn mir war bisher unbekannt, dass die da Licht einschalten können.