Hardware-Hacking

Erstellt: 16.06.2015  Lesedauer 1 - 2 Min.

Wie von Zauberhand geschehen eigenwillige Dinge auf dem PC. Hat es mich jetzt etwa erwischt? „Der Russe“ oder „der Chinese“ zieht mich gerade ab und ich muss hilflos mit zusehen?

Das ist schon schräg. Während des Schreibens am Rechner beginnt der ein Eigenleben: Zeichen werden verschluckt, Dialoge geschlossen, Programme gestartet. Alles Dinge, die ich eigentlich willentlich gerade nicht bestellt habe.

Der erste Verdacht fällt auf Autohotkey, denn das hatte ich kurz vorher geändert. Womöglich war dabei etwas durcheinander geraten. Doch das Deaktivieren, selbst der Neustart des Rechners, brachte keine Verbesserung. Wäre eine bequeme Erklärung gewesen, jetzt werde ich doch langsam etwas nervös.

Was mich stutzig macht: Die Hacker sind nur aktiv, wenn ich selbst etwas tippe. Womit sich mein Interesse der Tastatur zuwendet. Die Scult Ergonomic hat mich vor ein paar Monaten etwas irritiert, als die Batterien schwächelten. Wenn die jetzt schon wieder platt wären, würde mich das aber wundern. Sind sie auch nicht. Stehen voll im Saft.

Immerhin ist die Quelle des Unheils lokalisiert. Daher öffne ich eine unkritische Anwendung, in meinem Fall ist das mein Für alles Editor und versuche den Effekten hinterherzuspüren. Dabei stellt sich heraus, dass es ein paar Tastenbereiche gibt und von dort komme ich zum Schluss: Die STRG-Taste streikt. Augenscheinlich ist die dauergedrückt. Was je nach angeschlagener Taste oder Tastenfolge mehr oder minder amüsante Effekte auslöst.

Jetzt sitz ich also vor einer schicken Tastatur, aber die macht nicht was ich will. Während ich darüber sinniere, dass früher alles haltbarer war, kommt mir wieder das Brötchen ins Bewusstsein, dass vor dem Schirm seinen letzten Weg gegangen ist. Tatsächlich bringt eine sofort eingeleitete Untersuchung einen Flüchtling auf: Der hatte sich zwischen Tastenkappe und Innengehäuse wortwörtlich verkrümmelt.

Tiefes durchatmen. Keine Attacke durch Hacker, sondern ein Anlass, den Staubsauger mit Vorsatzbürste aus dem Schrank zu holen. Hatte etwas von Rache der Kurzhub-Tasten. Der kurze Anschlagweg der modernen Tastaturen ist für solche Angriffe natürlich deutlich anfälliger, als es die guten alten,... — aber dafür hatte man nach langem Text taube Finger abends. War nicht alles Gold.

Es bestätigt sich wiederholt eine Erkenntnis aus der Praxis. PEBKAK-Fehler: Nicht am Arbeitsplatz essen.

Krümmel sind aber immer noch besser, als untergeschobene Trojaner. Und wenn man sich doof anstellt, muss das nicht gleich eine internationale Verschwörung oder ein digitaler Angriff auf das Abendland sein. Aber was wäre das für eine eine Schlagzeile: Bundestagsabgeordnete sorglos im #Neuland.

Das verkauft nicht. „Böse Russen“ oder „heimtückische Chinesen“ passen aktuell besser ins Bild und werden durch unsere immanenten Vorurteile besser genährt.