„Hochkarätiger Angriff“?

Erstellt: 12.06.2015  Lesedauer 2 - 3 Min.

Die Grünen sehen sich beziehungsweise den Bundestag von einem cleveren Angriff getroffen. Allerdings gibt es wohl Hinweise darauf, dass die „Attacke“ ein schlichter Link in Mails war.

Der Focus machte mit dieser Einschätzung einen ordentlichen Aufriss. Die Tagesschau reduziert den „gezielten Angriff“ auf Mails, die an zwei Bundestagscomputer geschickt wurden. In den Mails war ein Link, den irgend jemand angeklickt haben muss, damit das Unheil seinen Lauf nehmen konnte.

Es würde mich brennend interessieren, womit motiviert wurde, diesem Link zu folgen. Das versprechen auf eine flotte Osteuropäerin? Nackte Haut? Kinderpornos? Drogen? Wir Bürger werden das wohl nie erfahren. Wir wissen jetzt jedenfalls, dass es unter unseren Volksvertreter mindestens einen gibt, für den das Internet tatsächlich Neuland ist. Objektiv betrachtet ist es durchaus wahrscheinlich, dass auch Bundestags-Adressen von den Spam-Mails geflutet werden, die jeder Normalsterbliche in seinem Postfach aushalten muss.

Allerdings liest der Computer-Bild oder komplexere Computer-Fachzeitschriften. Wobei selbst Focus, Spiegel und Co. das Thema regelmäßig abhandeln: Klick nicht auf Links von unbekannten Adressen. Im übertragenen Sinne lernt man das ja schon als Kind: Steig nicht zu Fremden ins Auto!

Ob womöglich ein schlichter Spamfilter oder eine allgemein zugängliche Antiviren-Software mit E-Mail-Scanner das Unheil hätte abwenden können, ist ein weiteres Mysterium.

Richtig peinlich ist der Umstand, dass es im Bundestag offenbar niemanden gibt, der sich der Sache professionell annimmt. Denn nur damit lässt sich die Konfusion erklären, die sich in den z.T. derb widersprüchlichen Pressenotizen zum Thema herauslesen lässt. Statt über strengere Internet-Sicherheitsvorschriften bei anderen zu beraten, sollten die Herrschaften im Bundestag vielleicht vorweg einen Computer-Führerschein machen, damit zumindest das Basiswissen vorhanden ist, das für eine qualifizierte Vorschrift notwendig ist.

Das Ausweichen auf private Geräte für die Abgeordneten-Tätigkeit halte ich für keine gute Lösung. Das setzt nämlich einzelne mit der jeweiligen Kompetenz den Angriffen aus. Wenn die dann mit ihren eigenen Geräten Daten aus dem vermeintlich speziell gesicherten Netzwerk ansehen oder nutzen, hat das was von Feuer mit Benzin löschen.

Blöd halt, dass man zwar schon seit Jahren andere ermahnt, dass es diese Gefahr gibt, aber selbst entweder zu geizig oder zu leichtfertig war. Denn wenn es tatsächlich mit einer Mail los ging, dann ist das die einzige Schwachstelle, die sich technisch nicht stärken lässt: Die Leute vor dem Schirm. Das lässt sich nur mittels Problembewusstsein und Medien-Kompetenz lösen.

Vor allem muss man die selbst haben, da nützen Sachbearbeiter und Berater wenig, wenn man sich beim surfen ungeschickt anstellt. Wobei es durchaus auch möglich sein könnte, dass eine gut nachgemachte Mail eine zum Tagesgeschäft gehörende Information vorgaukelte. Ob das damit hochkarätig wird, sei dahin gestellt. Es zeigt lediglich, dass es gute Gründe gibt, die totale Vernetzung von sich und anderen zu hinterfragen.

Es wird der Tag kommen, an dem wieder Geräte der Renner werden, die z.B. kein NFC oder BlueTooth haben. Oder wirklich nur zum Telefonieren taugen. Denn was technisch nicht vorgesehen ist, kann nicht für entsprechende Angriffe genutzt werden. Vor allem kann man es nicht versehentlich nutzen, um unerwünschten Gästen die Tür aufzumachen.

Wobei es keine Lösung ist, alle Bundestagsabgeordneten mit Schiefertafeln auszustatten.