Relatives Recht

Erstellt: 22.09.2015  Lesedauer 1 - 2 Min.

Wir erinnern uns: die Amerikaner belauschen die ganze Welt, werden verpetzt und — es passiert eigentlich nicht viel. Der Untersuchungsausschluss des Bundestages würde zwar gern aufklären, scheitert aber am zähen bis fehlenden Informationsfluss. Die US-Regierung sitzt das aus.

Anders sieht es aber aus, wenn ein europäisches, genauer: deutsches Unternehmen sich beim Schummeln erwischen lässt. Das amerikanische Volk verdient Antworten und Zusicherungen, dass dies nicht wieder passiert heißt das dann. Vor allem dem amerikanischen Volk darf so etwas nicht passieren. Damit alles seine Ordnung hat, kann man demnächst auch ein paar Flüchtlinge aufnehmen. Mehr nicht. Weil man für mehr keine Sicherheitsvorkehrungen treffen könne. Muss man sich dass dann wie mit Japanern im 2. Weltkrieg vorstellen?

Der Destabilisator der Region hält sich bei der Folgenbehebung diskret zurück. Wobei es schon auffällt, dass von den befragten Flüchtlingen keiner die USA als Traumziel nennt. Was einerseits daran liegen könnte, dass viele Flüchtlinge wissen, warum zu Hause keins mehr ist. Wie sicher die USA für alle jenseits erzkonservativer christlicher besser noch kreationistischer Überzeugungen ist, dürfte dort ebenfalls angekommen sein. Es lässt sich unterstellen, dass man Leute, die wegen Gotteskriegern den Weg in eine völlig unbestimmte und unsichere Zukunft wagen, nur sehr schwer eine Zuneigung für ein Land mit einem bible belt entwickeln können.

Oder Leute einfach ohne ordentliche Prüfung und juristische Klärung wegsperrt, weil die halt böse sind. Das macht man natürlich nicht zu Hause, sondern auf einer Insel, auf der nach rund 50-jähriger staatlich verordneter Eigenwarnehmung bis vor kurzem eh nur schlechte Menschen gelebt haben. Tendenziell ist sowieso alles unamerikanische — was immer das definiert — böse. Ausnahmen gelten, wenn es für Amerikaner, bzw. die gerade aktuelle Politik nützlich ist. Die Ingenieure aus Nazi-Deutschland, die Atombomben, Tarnkappenbomber oder Mondraketen bauen konnten, waren willkommen. Oder zumindest geduldet und mit Waffen unterstützt wie ein Osama Bin Laden, solange er gegen den Russen kämpft.

Dass jetzt mit Strafen und Justiz VW bedroht wird, ist schlicht dem Umstand geschuldet, dass es die Amerikaner selbst nicht schaffen, leidlich umweltfreundliche Diesel-Motoren zu bauen. Die aktuellen Grenzwerte könnte man daher durchaus als Importhindernis oder zusätzlichen Importzoll betrachten. Diese Aktion betrifft daher praktisch nur unamerikanische Autos.

Dass die Hausmarken größer sein müssen, damit der für leidliche Langstreckentauglichkeit erforderliche Tank reinpasst, ist offenbar weniger relevant. Die fahren zwar mit Benzin aus Öl, wegen dem Europa gerade mit Flüchtlingen überflutet wird. Aber dafür wurden sie ja befreit. Nebenbei kann es für die weiterhin kränkelnde amerikanische Autoindustrie keine bessere Werbung geben, als schlagende Beweise, dass alle unamerikanischen Autos eine einzige Mogelpackung sind.

Zu viele Gedanken für eine kleine Morgennotiz.

Sollte der Eindruck entstanden sein, dass ich irgend etwas von den geschilderten Beispielen weniger schlimm finde, ist das falsch. VW darf nicht schummeln, wegen Öl führt man keine Kriege, erst recht keine Stellvertreterkriege, jeder hat das Recht auf einen ordentlichen Prozess, wegen seiner Herkunft darf niemand weggesperrt oder misshandelt werden und wir in Europa sind sicher nicht besser als der Ami oder der Russe.