Stolpersteine (III)

Erstellt: 30.07.2015  Lesedauer 1 - 2 Min.

In München geht es schon seit Jahren hin und her: Stolpersteine, ja oder nein. Der Stadtrat ist dagegegen. Was vorhersehbar auf geteilte Meinungen stößt.

Das mit dem Erinnern ist so eine Sache. Im konkreten Fall ist bemerkenswert, dass von den am direktesten Betroffenen die Stolpersteine als unangemessen eingestuft werden. Welches Andenken ist es, wenn man darauf rumtrampelt oder achtlos darüber weggehen kann. Oder die Gedenktafel im Dreck liegt. Hatte ich bisher so noch nicht gesehen. Weil es mich — im konkreten Fall — nicht persönlich betrifft.

Der Ansatz, dass man die Teile vor dem Haus in öffentlichem Verkehrsraum montiert, ist womöglich von dem Ansatz getrieben, dass es einfacher ist. Denn mit einem Hausbesitzer über eine eher unrühmliche Vergangenheit diskutieren, damit an der Hauswand ein Schild kommt, ist erheblich aufwändiger, viel mehr Klein-Klein, als einmal mit der Stadtverwaltung einen Deal klar machen.

Was mich am meisten an dieser Diskussion nervt: Worum geht es mittlerweile? Wer Recht hat? Um eine Kunstaktion? Überhaupt noch um die Sache?

Es wird Toleranz gefordert, aber ignorant argumentiert. Wobei halbe Pflastersteine als Kompromiss keine Lösung sein können. Kleiner wär´ auch blöd. Die sind ja schon eher unauffällig. Und wirklich darüber stolpert man auch nicht. Also eigentlich im täglichen Stadtbild egal. Was aus meiner Sicht noch mehr Wasser auf die Mühlen der Gegner darstellt. Man kann darüber hinweggehen, als wäre es nichts.

Wenn ein Straßenmaler mit Kreide ein vergängliches Kunstwerk auf den Weg zaubert, weichen wir alle aus. Weil wir hier meistens die Kunst erkennen. Oder Schiss haben, dass es auf die Fresse gibt, wenn man quer drüber läuft. Wie ist das bei den Pflastersteinen? Gibt´s da was auf die „12“, wenn ich drauf trete?

Die Ur-Idee finde ich weiterhin bemerkenswert, an das Unrecht rechten Gedankenguts zu erinnern. Den Steinen selbst stehe ich mittlerweile deutlich zwiespältiger gegenüber. Denn sie verkommen zum Streitobjekt. Wenn sie zur reinen Kunstaktion verkommen, verschwindet die Idee.

Mir gefällt der Krefelder Ansatz. Nicht streiten. Drüber reden, alle direkt Betroffenen ins Boot holen. Eine Übereinkunft erzielen. Daraus wird dann eine sehr persönliche Sache. Passend zu dem, was die Stolpersteine in meinen Augen sagen möchten: Es geht um eine sehr persönliche Sache, nämlich dem Schicksal Einzelner.

Befremdlich finde ich jedoch, wenn ausgerechnet der Initiator untersagt, dass die Idee weitergetragen wird. Oder vergleichbare Aktionen als Plagiate bezeichnet. Das wirft für mich die Frage auf, worum es wirklich geht: Die Erinnerung oder eigentlich nur das Künstler-Ego. Und am Ende nur gut getarnten Kommerz.