Vorhersehbarer Ausgang

Erstellt: 30.09.2015  Lesedauer 2 - 3 Min.

Nachdem so langsam dem letzten klar sein dürfte, dass VW auf breiter Front betrogen hat, stellt sich natürlich die Frage, wie es jetzt weiter geht. Genauer betrachtet ist das eine rein rhetorische Frage.

Nach aktueller Gesetzeslage könnte das Kraftfahrtbundesamt — wenn es das nicht sogar müsste — alle benannten Fahrzeuge mit „Software-Tuning“ sofort stilllegen. Genau das droht jedem Fahrzeugbesitzer beim TÜV oder der Abgasuntersuchung nämlich im Normalfall, wenn die Abgaswerte falsch oder bekanntermaßen falsch sind.

Allerdings will das natürlich niemand in Berlin, weil das sehr viele Wähler sind, denen dann vorhersehbar die Halsader schwillt. Was die Bürger vom obersten Management halten, spiegelt sich in den Beliebtheitsumfragen, die für führende Politiker gerade den Weg nach unten aufzeigen. Das begründet sich sicherlich noch aufgrund anderer Untätigkeiten, die das Gesamtbild prägen.

Wenn jeder siebte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Autoindustrie abhängig ist und dazu noch ungebremst mit vergleichsweise hohem Bildungsanteil Nachschub für den Arbeitsmarkt ins Land drängt, stehen gleich mehrere Dinge auf der Spassbremse. Was den extremeren Vertretern Freude bereitet, denn u.a. Herr Seehofer läuft gegen den allgemeinen Trend. „Alles Scheiße da oben“ hat prima funktioniert. Dass er daran maßgeblich mitrührt, stört ihn dabei nicht. Der Bundesverkehrsminister ist aus seinem Stall… .

Bei Bosch habe man schon vor Jahren vor der Trickserei gewarnt, wirklich gestört hat es dort aber offenbar niemand. Dass man „nur zu Testzwecken“ geliefert haben will, aber dann offenbar tatenlos zugesehen hat, passt ebenso ins Bild. Wer hackt schon die Hand ab, die einen füttert. Allerdings stellt sich die Frage, warum jemand Software entwickelt und weitergibt, die allein einen Zweck hat: „zum Bescheißen“. Die Antwort von Bosch dazu:„Im Rahmen der Geschäftsbeziehung mit Volkswagen sind wir zur Vertraulichkeit verpflichtet.“

Nichts sagen kann sehr vielsagend sein. Dass Baden-Württembergs Verkehrsminister Herrmann (ein „Grüner“) abwiegelt, ist ein vorhersehbarer Reflex. Wenn es Bosch deshalb runter zieht, trifft es einen sehr großen Zulieferer. Der hat neben der VW-Gruppe auch andere Fahrzeugbauer beliefert. Bestimmt haben die auch Software da gekauft. Da kann man bei Bosch nur hoffen, dasss das am Ende nicht zu Lasten des „kleinsten Großen“ geht. „Hersteller-Haftung“ lässt sich wörtlich nehmen. Dann hätte das Ländle ein Wohlstandsproblem. Höchststrafe für Schwaben.

Insgesamt haben offenbar sehr viele was gewusst, aber alle haben still gehalten. Immer nach dem Motto: der läuft vorbei woanders hin. Jetzt ist der Fuchs im Hühnerstall und jedes Huhn möchte auf auf die höchste Stange. Statt weiterer Detailaspekte dieser Schweinerei betrachte ich mal „das große Ganze“. Dabei wird schnell klar, dass es dafür einen bewährten Mechanismus gibt: „To big to fail“.

Im Ausland hat die Presse den Trend bereits erkannt:

Die letzte Rettung wäre ein staatliches Hilfsprogramm. "VW ist systemrelevant", sagte der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Andreas Tilp, dessen Kanzlei möglicherweise im Auftrag von VW-Aktionären Klagen gegen das Unternehmen anstrengen wird. Mit weltweit 600.000 Mitarbeitern und der Beteiligung des Landes Niedersachsen sei der Wolfsburger Konzern ebenso wichtig für die deutsche Wirtschaft wie die vor wenigen Jahren vor der Krise geretteten Banken.

Quelle: Format.at, Dieselgate kostet den VW-Konzern bis zu 47 Milliarden Euro