Was macht eigentlich der TÜV?

Erstellt: 26.10.2015  Lesedauer 2 - 3 Min.

„In der Sache VW“ kommen zwar praktisch täglich neue Details heraus. Dass es irgend welche echte Konsequenzen hätte, kann ich aber nicht erkennen. Außer, dass VW gefühlt etwas mehr Werbung macht als sonst.

Die Darstellung in der Werbung ist — VW-typisch — außerordentlich selbstbewusst. Da wird nicht von einem Fahrzeug gesprochen, sondern von dem Auto, dem Bus, … als ginge es nur um Karrosserie. Dass man offenbar nicht in der Lage war, nach Norm-Anforderung konkurrenzfähige Autos herzustellen, die beispielsweise dem „Freude am Fahren“-Mitbewerb die Stirn bieten: — zugegeben. Derartige Details würde ich aktuell ebenfalls eher ausblenden.

Allerdings frage ich mich, was denn die TÜV-Ingenieure machen, wenn ein bekanntermaßen vorgestelltes „Schummelauto“ über den Prüfstand rollt. Die Manipulation ist bekannt, die Prüfergebnisse des Abgas-Tests vom Hersteller eingeräumt grob falsch. Gibt es dennoch eine Plakette? Das wäre dann ein Gefälligkeitsgutachten.

Gäbe es — wie bei allen Autos außer VW, die den Test nicht schaffen — keine Plakette, was könnte ein Autobesitzer dann machen? Der kann sich mittlerweile kaum herausreden, dass er nicht weiß, was er da für ein „Tuning-Fahrzeug“ unter dem Hintern hat. Er kann sich nur darauf verlassen, dass es weder beim Kraftfahrzeug-Bundesamt noch in der Politik jemanden ernsthaft interessiert, was das beispielsweise für eine Chance wäre, Pendler von der Straße in die Bahn zu bekommen und signifikant Staus auf A2 & Co. abzubauen.

Das Kraftfahrzeug-Bundesamt hat irgendwelche Ansagen gemacht, die aber erst ab nächstes Jahr umgesetzt werden müssen. Natürlich unter Berücksichtigung der armen Werkstätten, die natürlich nicht überlastet werden dürfen. Kann also Monate, wenn nicht Jahre dauern. Bis die Autos als „historisches Fahrzeug“ eingestuft werden und ganz offiziell stinken dürfen?

Oder müssen die für Sammler sogar stinken, damit sie die billige Versicherungsklasse bekommen? Denn ein entruster Motor wäre ja kein Original mehr. Noch so eine Gruppe, deren Situation noch nicht ansatzweise beleuchtet wurde.

VW überlegt jetzt ganz großzügig eine Umtauschaktion, bei der ich mein Betrügerauto gegen ein neues Auto tauschen können soll. Klingt für mich nach Geschäftsbelebung, denn von „komm einfach umtauschen“ ist da nicht die Rede, sondern von Rabatten. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich dem Betrüger sogar noch Geld bringen soll. Schadensersatz für´s Erwischt-werden, sozusagen.

Dafür bekomme ich dann ein Auto, von dem bisher keine offiziellen und unabhängig bestätigten Aussagen vorliegen, dass es den ursprünglichen Versprechen genügt und die Abgasnormen einhält. Was zumindest mit berechtigten Zweifeln hinterfragt werden darf, denn wenn sie´s könnten: warum haben Sie die Autos nicht einfach so gebaut? Handelt sich ja nicht um Billig-Ware aus Fernost, sondern um „Qualität made in Germany“. Wobei die vermeintliche Minder-Ware für weniger Geld zeigt, dass es offenbar doch geht.

Was den Ingenieuren beim TÜV noch mehr zu Denken geben müsste. Denn während von den Kollegen bei VW auf den eigenen Berufs-Ethos geschissen wurde, zeigen gern von den VW´lern belächelten und belästerten Hersteller, dass es keine unmögliche Forderung ist, für deren Lösung die VW-Ingenieure keinen Weg fanden. Außer einem großangelegten Betrug, von dem angeblich nur ganz, ganz, ganz, wenige, und selbst die nur sehr diffus, was gewusst haben wollen.