Weggeweht

Erstellt: 14.01.2015  Lesedauer 2 - 3 Min.

Aktuell ist Frühling. Irgendwie. Zumindest suggerieren das die Temperaturen. Dazu grinst die Sonne immer mal wieder raus. Wäre da nicht dieser außerordentlich gemeine Wind.

Der bläst so ordentlich, dass es gelegentlich schon etwas von Arbeit hat, wenn man aus dem Haus kommt, weil man mit dem Auto wegfahren muss. Aber eben vorher noch irgendwie in das Auto einsteigen muss. Die Tür bleibt nicht auf, die Jacke weht ins Gesicht, hat was von schlechtem Slapstick-Film.

Bei der Überlandfahrt rüttelt der Wind gelegentlich ziemlich kräftig an der Karosserie. Richtig gemein wird es bei Brücken, die flach in der Landschaft kleine Senken überspannen. Die erkennt man im Auto oft erst, wenn man schon drauf ist. Oder daran, dass irgendwelche Sicht- oder Blendschutz-Installationen den Ausblick einschränken.

Aufgrund der nachfolgenden Schilderung achte ich jetzt auch verstärkt auf die rot-weißen Windsäcke. Denn die stehen häufig am Anfang solcher Bauten. Wenn man im Windschatten eines LKW auf so eine flache Brücke einfährt und aus dem Schutzschild dicker Lastwagen heraus kommt, rupft es schon mal ordentlich am Lenker. Was sich proportional zur aktuellen Geschwindigkeit verstärkt. Mehr schnell, mehr rupf.

Eine Strecke, die ich subjektiv als etwas windgriffiger als andere empfinde, ist die A14 zwischen Magdeburg und Dresden. Dort stehen in regelmäßigen Abständen große Warnschilder, dass Autofahrer seitlich Abstand halten sollen. Warum die da stehen, kapiert man nachhaltig, wenn vor einem der Golf, der etwas flotter als man selbst unterwegs ist und den man vorbei gelassen hat, an einem LKW vorbei fährt.

Der macht dann schon mal einen kräftigen Freudensprung Richtung Mittelleitplanke, wenn der Wind wieder voll auf die Seite trifft. Was dann — ich hatte das aus irgend einem Grund geahnt und schon vorher verlangsamt — eine entsprechend hohe Schreck- und Reflexreaktion auslöst. Könnte man auch Panikbremsung nennen.

Was die Stabilität des Fahrzeugs bei starkem Seitenwind nicht unbedingt verbessert.Zumindest, wenn die Bremsen etwas unsymetrisch bremsen. Das war hier offenbar der Fall. Denn mein Vordermann hat ein regelrechtes Tänzchen aufgeführt und dabei die volle Breite der Fahrbahn zwischen wieder aufholendem LKW und Leitplanke benötigt.

Zu unser aller Glück bekam er seinen Wagen wieder in den Griff. Von hinten sah es allerdings derart spektakulär aus, dass wahrscheinlich eine große Deo-Dose am nächsten Rastplatz gegen den Panik-Schweiß des Fahrzeuglenkers geopfert werden musste.

Für mich war es mal wieder ein klassisches Beispiel dafür, dass man im Autoverkehr nur einen Bruchteil des Geschehens selbst unter Kontrolle hat. Sicherheitsabstände und vorausschauendes Fahren, inklusive dem Bauchgefühl, dass ich nach dieser Aktion noch ernster nehme, sind sehr wichtige Begleiter.

Etwas außerhalb von Braunschweig hat es der Erzählung einer Kollegin meiner Frau einen Kleinwagen in den Straßengraben geweht. Glücklicherweise mit Zeugen. Was die glaubwürdige Darstellung bei der Versicherung sicherlich maßgeblich stützt.