Flüchtlingskrise?

Erstellt: 16.01.2016  Lesedauer 2 - 3 Min.

Im Radio wird gerade wieder über die „Flüchtlingskrise“ gesprochen. Mit Verlaub: Was soll das sein?

Den Regeln der deutschen Sprache folgend, ist eine Flüchtlingskrise eine Krise, die einen Flüchtling betrifft. Das finde ich ehrlicherweise arg beschönigend, wenn Leute aus Angst um ihr Leben (die meisten jedenfalls) ein Land verlassen, angeblich nur eine Krise haben sollen.

Ich denke, hier soll davon abgelenkt werden, dass wir eine Politik-Krise haben.

Denn die Herrschaften schwätzen zwar viel, aber wirkliche Lösungen sehe ich noch keine. Natürlich wäre es am besten, die Leute bleiben zu Hause. Würden die meisten wohl auch wollen. Sie werden halt mit den Waffen bedroht, vertrieben oder getötet, die wir in die Krisengebiete liefern. Wobei das ein verbreiteter Schreibfehler ist. Kommt davon wenn alle voneinander abschreiben. Es muss Kriegsgebiete heißen.

Wobei es so gesehen dann doch kein Schreibfehler ist. Weil in Kriegsgebiete dürften wir keine Waffen liefern. In Kriesengebiete schon. Denn Waffen sind eine perfekte Lösung für eine Krise. Schieß tot, was dir Sorgen macht. Dahin sind wir nun auf dem besten Weg. Wir rüsten auf. Wobei das, wie in den Krisengebieten gut sichtbar, kaum hilft. Es eskaliert halt. Wenn nur ein Bruchteil der Frauen, die in Köln belästigt wurden, mit einer Schreckschuss-Waffe herumgeballert hätten — wer weiß, wo das geendet hätte.

  1. Sylvester hätte das kaum jemand mitbekommen. Da war sowieso ordentlich Radau, bei dem ein paar Schüsse aus Schreckschuss-Waffen keiner Sau aufgefallen wären. Ist ja alles Spaß. In einer Fußgängerzone, an einem Samstag abgefeuert, wäre der Effekt sicherlich signifikant größer. Bei der gut geschürten Angst, die von den Medien und der Politik verbreitet wird. Wenn dann alle Schutz suchend loslaufen, könnte es für kleine Kinder, Alte und Nullschnaller eng werden. Oder tödlich. Massenpanik hat schnell eine gefährliche Dynamik.

Die eigentliche Krise ist der Umstand, dass wir zwar sicherlich ein paar Herausforderungen haben, für die sich speziell die Politik als völlig überfordert zeigt. Panikmache hilft aber kaum, vielmehr entstehen erst daraus die wirklichen Probleme. Bisher haben nur die Flüchtlinge die Kontrolle über ihr Leben verloren. Wenn wir das jetzt ebenfalls — unnötigerweise! — tun, führt das ins Chaos.

Vielleicht sollten die ganz Lauten und Schwarzsseher sich mal die Umfrage der Cornell University ansehen.Die Umfrage unter älteren Menschen, was sie wirklich bereuen, führt zu einer sehr interessanten Erkenntnis: Mach´ dir weniger Sorgen!

Wobei zwischen den Zeilen eine weitere, für mich viel interessantere Erkenntnis steht. Wer keine hat, macht sich eben welche. Sprich: wer sich die größten Sorgen macht, dem geht es in Wirklichkeit extrem gut. Weil er Zeit dafür hat, sich über sowas einen Kopf zu machen. Wer einen Flüchtling nach seinen Gedanken z.B. zur Altersversorgung fragt, dürfte wohl kaum eine vernünftige Antwort bekommen. Denn der hat keine Zeit für Sorgen. Der hat Stress. Also irgendie doch eine Krise. Aber eben ganz anders, als wir — genauer: die Medien — das täglich abnutzen.