Grenzüberschreitung

Erstellt: 16.04.2016  Lesedauer 1 - 2 Min.

Frau Kanzler und ihre Vasallen sprechen in der causa Böhmermann von „Grenzüberschreitung“. Mir stellt sich die Frage: von wem?

Bisher fand ich es noch ziemlich lustig, wie ein Nachtprogramm-Beitrag, der zwar eine eingeschworene, aber überschaubare Zuschauergemeinde hat, allein durch eine völlig überzogene Reaktion unfassbare Reichweite und damit erst Bedeutung bekommt. So gesehen ein echter Coup. Das entlarvende auf der Seite des „Geschmähten“ war vorhersehbar. Wobei objektiv keine Schmähung ausgesprochen wurde, denn wie in der Sendung zweifelsfrei erklärt, darf man das nicht. Hier ist die Darstellung vieler Medienberichte unvollständig.

Der im Gedicht gezogene Vergleich seiner geistigen Leistungsfähigkeit war erkennbar völlig überzeichnet. Aufgrund der Reaktion muss jetzt jedoch angenommen werden, dass einige Areale dort zumindest unterentwickelt, womöglich auch ausgefallen sind. Nur so lässt sich eine derart unverhältnismäßiger, egomanischer Gegenangriff erklären.

Was mich allerdings wirklich schockiert hat, ist eine von Kopf bis Fuß mit Vaseline eingecremte Kanzlerin, die lieber tief von hinten eintaucht, statt sofort, überzeugt, klar und unmissverständlich auf das Offensichtliche hinzuweisen: unseren Rechtsstaat. Für mich hat sie sich mit ihren Äußerungen aus Kalkül in ihr nicht zustehender Weise eingemischt. Wobei ihr — selbstverständlich — ebenfalls das Recht auf eine freie Meinung zusteht.

In meiner Wahrnehmung hat sie „ihre persönliche Meinung“ jedoch nur schwerlich erkennbar von einer „Stellungnahme eines Staatsorgans“ — nichts anderes ist sie in ihrer Position — abgegrenzt. Nach einer fast einwöchigen Beratung auf das Naheliegende — den Rechtsweg — zu kommen und dabei festzustellen, dass §103 StGB „entbehrlich“ ist, aber ihm gleichzeitig stattzugeben: das zeigt eine maximale (Rück-)Ratlosigkeit.

Sich darauf hinaus zu reden, dass es wegen weiterer Anzeigen sowieso eine Strafverfolgung gäbe, weshalb man halt die „Ermächtigung“ erteilt habe und es bei uns einen Rechtstaat gäbe, weshalb man den Fall dorthin übertrage — ein Volte, mit der es allen kommod gemacht werden soll.

Erst diese dicke Schicht Vaseline macht den an sich albernen Vorgang für mich zur „Staatsaffäre“: Ein Möchtegern-Neu-Erstarker des osmanischen Reiches beugt sich weich nach vorn auf ein mit fragwürdigen, wenig rechtstaatlichen Methoden geknüpftem Kissen und kneift noch ein bisschen die Backen zusammen, damit sich eine deutsche Kanzlerin ordentlich anstrengen muss beim Reinkriechen.

Da ich mich nicht in diesen Kreisen bewege, kann ich es nur vermuten. Aber dort, wo man eine vermeintlich klare Sicht hat was deutsch ist und was nicht, wird so ein Verhalten wohl kaum Applaus bekommen. Wobei es bei diese Herumlaviererei letztendlich doch nur genau darum geht, weil Frau Kanzler den Asylanten-Ärger möglichst weit weg haben will. Während sie nach vorne gebückt kriecht, ist sie für schlichte Gemüter hinten ein der persiflierten Ziegen. Mehr Grenzüberschreitung geht nicht.