Kostenlos spielen hat einen hohem Preis

Erstellt: 15.07.2016  Lesedauer 1 - 2 Min.

Pokémon Go ist der neue Lebenszeit-Vernichter auf Mobilgeräten. Weil es auf der direkt persönlichen Ebene nicht geht, trifft man sich in einem Spiel, dass einen in die reale Welt holt. Die maximale Perversion.

Klingt erst mal geil. Da gibt es ein Spiel, dass die Kids und Erwachsenen aus dem Sofa auf die Straße holt. Denn nur dort kann man „Gegenstände“ einsammeln, die wofür auch immer gut sind. Was durchaus wörtlich genommen werden kann. Denn an „Poké-Stops“ gibt es nicht nur Virtuelles. Kriminelle nutzen das Spiel für sehr Reelles.

Das Spiel ist eine völlig neue Dimension des „sich nackig machens“ im digitalen Sinn. Ich benötige ein Login, mit dem ich diverse persönliche Daten preis gebe. Das mitlaufende GPS lässt jeden sehen, wo ich gerade bin. Vor allem: was ich gerade tue.

Ist also nur eine Frage der Zeit:

  • Wer von einem Pokémon-Stop nach Hause kommt, wird womöglich diverse Gegenstände vermissen, die „in echt“ mitgenommen wurden.
  • Mit Screenshots im Anhang werden Chefs fristlose Kündigungen wegen Spielens während der Arbeitszeit aussprechen.
  • Spieler sehen zwar durch die Videokamera virtuelle Gegenstände in der Realität, aber nicht den Bus von rechts. Sehr real. Sehr schmerzhaft.
  • Firmen werden Pokémon-Stops mitten im Laden anbieten. Da gibts dann tendenziell eher sinnlose, aber reale Gegenstände für reales Geld, für die Menschen im Spielmodus zugänglich sind.

Dass ein solch erfolgreiches Spiel mit extrem freizügigen Rechten auf dem verwendeten Gerät noch ganz andere Attraktivität hat, liegt nah. Wenn die Anwendung dann noch alles aufschließt, was irgendwie spannend für eher nicht so freundliche Menschen ist, um so mehr. Wer Online-Banking vom Smartphone aus macht, sollte sehr intensiv darüber nachdenken, ob er wirklich Pokémon Go damit spielen will.

Ich räume ein, dass ich mich für virtuelle Spiele nie wirklich erwärmen konnte. Ich bin der klassische Brett-Spieler, im Sommer gern ein gepflegtes Boule-Spiel, oder Radfahren. Da bin ich ebenfalls draußen. Echte Freunde wissen dann, dass ich gerade spiele. Weil wir uns dabei in die Augen schauen. Die Mobilteile bleiben dabei vorzugsweise in der Tasche.

Wem das jetzt langweilig erscheint, hat es wahrscheinlich schon lange nicht mehr ausprobiert. Oder schlicht verlernt, was echte soziale Interaktion für einen Spass machen kann.