Neulich, beim AfD-Stammtisch

Erstellt: 08.05.2016  Lesedauer 2 - 3 Min.

Ein Plakat in der Gemeinde hat bei mir unwillkürlich eine Situation in den Kopf projiziert, die mir da nicht mehr raus will.

Der AfD macht einen Stammtisch. Auf großen Plakaten wird zur Diskussion über die Lage der Dinge geladen. Ob der gewählte Rahmen dafür die angemessene Präsentationsform ist, sei dahin gestellt. Jeder hat seine Form, die AfD sucht so Bürgernähe. Die SPD-Wahlkreisabgeordnete hat ein Bürgerbüro, das immer zu ist, wenn ich dran vorbei laufe. Da punktet die neue Kraft.

Mich würde brennend interessieren, wie damit umgegangen würde, wenn der Stammtisch von einer großen Zahl schon länger hier lebender Türken, Syrer und Afganen besucht würde. Viele noch ohne deutschen Pass, dennoch bestens integriert, hochgebildet, gut deutsch sprechend. In Arbeit und unverschleiert, einige sogar ohne Kopftuch. Viele trinken halt Limo weil Moslems, da fällt Bier als Getränk aus. Was keinesfalls bedeutet, dass die Diskussion in Ermangelung des alkoholischen Pegels langweilig werden muss.

Warum sind sie hier? Ganz einfach: Ordentliche Bürger wollen eine ordentliche Vertretung. Die AfD will ein schöneres Deutschland, die Genannten wollen das ebenfalls, denn sie fühlen sich angekommen. Sie wollen keinen Assad oder Erdogan mehr, von IS und marodierenden Stammesfürsten haben sie die Schnauze voll. Sie haben die Regeln anerkannt und akzeptiert:

  • Benimm´ dich in der Öffentlichkeit.
  • Dein Glauben ist Privatsache.
  • Verdiene dein Geld mit ehrlicher Arbeit.
  • Sei ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft.
  • Spreche die Sprache deiner Mitmenschen.
  • Respektiere und lebe die Werte deiner Gemeinschaft.

Das alles ist kein Problem. Die Neubürger sind mittlerweile so deutsch, dass ihnen Veränderungen in ihrem Kiez missfallen. Der Stammtisch ist dafür das passende Medium, damit der Fokus der Mitbürger auf ein brennendes Problem eingestellt wird: immer mehr verarmte oder schon immer arme Deutsche drängen in den schwindenden, aber noch günstigen Wohnraum und die damals unbeliebte Wohngegend.

Sie laufen verwahrlost morgens zum Kiosk ihr Bier holen, kratzen sich dasselbe trinkend in der Öffentlichkeit vor der Sandkiste der Kleinen am Sack, werfen Müll auf die Straße,… — kurzum: machen lauter Sachen, die ein ordentlicher Deutscher nicht macht. Vor allem ziehen die das Viertel wieder runter, dass sich dank viel Engagement der Neubürger zur neuen, deutschen Heimat entwickelt hat.

Diese Neubürger würde interessieren, was der AfD dazu einfällt, was sie dagegen zu tun gedenkt. Denn ein ordentliches Land braucht ordentliche Bürger. Es reicht ja wohl kaum hin, dass man Schmidt, Müller oder Meier heißt. Gehört jemand, der sein Kind Kevin oder Chantal ruft und bereits in zweiter Generation als Beruf „Harz IV“ angibt, wirklich zu Deutschland?

Ich weiß nicht, ob daraus eine Diskussion oder eine Schlägerei entstünde. Ich weiß ebensowenig, ob es so eine Situation überhaupt geben könnte, weil beide Seiten derart mit Vorurteilen über die andere Seite verblendet sind, dass bereits der Rahmen unvorstellbar erscheint. Denn das jeweilige Feindbild verlöre an Konturenschärfe. Der Deutsche wäre womöglich gar nicht so deutsch, der Türke/Syrer/Afgane womöglich gar nicht so fremd.

Beide Gruppen — soweit es überhaupt unterschiedliche Gruppen in ihren Wünschen, Träumen und Zielen sind — hätten sicherlich genug Themen für eine angeregte Gesprächsrunde. jeder könnte was für sich mitnehmen oder anderen mitgeben. Man müsste nur eins: wollen.


Kommentar von Zauberweib, 08.05.2016:

schmunzel Da wär ich ja gern dabei...

Übrigens, das mit den Moscheen weg und so... also wenn das in aller Konsequenz heißt, dass das lästige Glockengeläute von dem anderen Verein dann auch aufhört - weil wenn, dann alle Gotteshäuser abgeschafft werden müsen, logo - bin ich da voll dafür. ;)