Ohne Hirn und Horizont

Erstellt: 15.02.2016  Lesedauer 2 - 3 Min.

Die CDU hat wieder mal eine echt geniale Idee. Flüchtlinge sind es nicht wert, dass sie Mindestlohn kriegen. Politisch sanktionierte Billiglöhner direkt vor der Haustür.

Bisher ist das Teuerste vieler Dinge unseres täglichen Lebens der Transport hier her. Der Niedrigst-Lohn in anderen Ländern macht die Fertigung derart attraktiv dort, dass es sich dennoch rechnet. Weniger für den Arbeitnehmer in der Ferne, aber prima für die Unternehmen, die uns das dann zwar innerhalb unseres Lohngefüges preiswert, aber für sie selbst mit solider Gewinnspanne feil bieten.

Wenn man der CDU glauben darf, kommen jetzt genau diese Menschen zu uns und bringen als einzigen Vorteil das Einsparen der Transportkosten mit. Die kann man ja ruhig auch hier ausbeuten, dann werden sie nicht groß, weil´s hinten und vorn nicht reicht. Wenn der Mindestlohn fällt, muss man länger arbeiten, damit überhaupt was liegen bleibt, denn Stütze gibt es natürlich nicht, weil darauf nur Eingeborene Anspruch haben. Was gut ist, denn nach 60 - 80 Wochenarbeitsstunden ist man viel zu platt für irgend eine Teilhabe bei uns. Beste Voraussetzungen für eine scheiternde Sozialisierung. Dann geht die zweite oder dritte Generation dieser Menschen bestimmt wieder nach Hause. Wo immer das dann sein soll.

Vor allem bekommt man dann genau das, wovor man gewarnt hat: Ghettoisierung, geschlossene Gesellschaften, Ausgrenzung, perfekte Zielscheibe für Leute, die fest davon überzeugt sind, dass alles was anders ist als ich, hier nicht her gehört. Dass der Opa oder die Oma die gleichen Anfeindungen überstanden hat und man dank deren Sitzfleisch oder — um es neudeutsch korrekt zu formulieren — weil es Alternativlos war, dafür gesorgt haben, dass der Enkel oder die Enkelin jetzt dumpfe Heimatparolen plärren kann, ist jenseits des Horizonts. Obwohl mittlerweile hinreichend nachgewiesen geht es für viele dahinter ganz und gar nicht weiter.

Dass viele CDU-Politiker zu dieser Sorte gehören, lassen sie immer mal wieder aufblitzen. Was der Harz IV-Empfänger davon hält, dass er — echt blöd — weil er Deutscher ist, den Job nicht bekommt, schlicht, weil der Flüchtling billiger ist, bedarf keinerlei Phantasie. Da dauert es nicht lang, bis er statt seiner Zigarette was anderes anzündet. Was wir ja schon zunehmend haben, denn für die eh schon Ausgegrenzten muss es bizarr anmuten, wie wir uns um Zugelaufene kümmern, sie selbst aber in der Scheiße sitzen. Warum das so ist, wie es ist, ist wieder ein Horizont-Ding, bzw. verlangt dass, was bei dieser Diskussion offenbar von manchen vorher gut weggeschlossen wurde. Aber ohne Hirn kann nichts Vernünftiges heraus kommen.

Mangels Hirn und Horizont merken viele nicht, dass wir uns viel von dem, was da gerade passiert, selbst eingeschenkt haben. Wobei wir fraglos stark vereinfacht ist. Das ist wie es ist haben einige wenige so gewollt, wir haben es jedoch mit unseren Wählerstimmen — oder der Wahlverweigerung — sanktioniert.

Zum anders als ich sollten sich die Parolenschreier klar machen — da zähle ich die CDU-Politiker mit derart beknackten Vorschlägen ausdrücklich dazu —, dass die mit deutschem Pass, die das womöglich etwas differenzierter sehen, zwar still, aber in der Mehrzahl sein könnten. Aber ohne Hirn und Horizont bleibt man von von der Überlegung verschont, was die Anwendung der eigenen Parolen auf einen selbst bedeuten könnte.