Vertraue mir

Erstellt: 07.06.2016  Lesedauer 1 - 2 Min.

Die Welt benennt ihn zum coolsten Fernsehfilm des Jahres, die Süddeutsche erkennt einen Kampf gegen geballte Klischees, die Osnabrücker Zeitung nennt ihn langweilig. Das ist die Medienvielfalt zu einem Fernsehfilm des ZDF.

Irgendwie treffen alle drei den Kern. In den Kamerafahrten wird eine Aktion generiert, die der Film im Grunde nicht hat. Mit hektischen Rückblenden werden Gedankenfetzen der Protagonisten bekannt gemacht. Irgendwie ein abgestürzter Liebesfilm mit Möchtegern-Botschaft.

Ich mag die Schauspieler Koschitz und Vogel, die bei allen genannten Zeitungen mit dem gleichen Bild die Berichte zieren. Die Osnabrücker Zeitung bietet immerhin noch ein zweites an. Bei der Süddeutschen eine Vergrößerungsoption. Die so begeisterte Welt bedient mit drei Bildern inhaltlich die recht übersichtliche Story. Die Beiden machen den Film in gewisser Weise sehenswert. Sie spielen jedoch deutlich unter ihren Möglichkeiten. Was keinesfalls am Vermögen, sondern an der Rahmenhandlung und deren filmischen Umsetzung liegt.

Die Frankfurter Allgemeine verliert sich in die Aussage, der Film bliebe für alle ein Rätsel. Ob es ein Unglück ist, wenn am Ende eine abgezockte Bänkerin mit 20 Mio auf einem Schweizer Konto am See langflaniert, während sie ein paar Tränchen für den toten Mittäter des von ihr verübten Geldraubs verdrückt, lässt sich so deuten. Dass es versöhnlich ist, dass die Betrogene selbst betrügt und es damit vermeintlich allen zeigt, kann ich so nicht sehen.

In der FAZ findet sich für meinen Geschmack im vorletzten Absatz eine treffliche Zusammenfassung des Films in anderthalb Sätzen:

  • Er kleidet eine eher dünne Story in Bilder, die mehr versprechen, als sie halten.
  • […] selbst wenn er wie alle anderen im Ensemble mit angezogener Handbremse spielt.

Das isses.

Den Schauspieler(inn)en gönne ich ihre Gage. Ein Karriere-Meilenstein ist der Film sicher nicht. Möchtegern-Anspruch trifft Fernseh-Realität. Im Grunde plustern alle vier Artikel ein Filmchen auf, das stimmungsabhängig womöglich sogar leidlich unterhält. Oder eben nicht.

Allerdings wären zwei Sätze als Kommentar zu einen Film in allen Zeitungen unter einem Szenen-Bild ein Problem. Denn die Leser erwarten eine ordentliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Im Ergebnis sind die Berichte dann genau das, was der Film vorgemacht hat: Eine dünne Story, die mehr verspricht als sie hält.

Mich beschäftigt jetzt ein wenig die Frage, ob die verheißungsvolle Überschrift meinen Lesern gegenüber ein Vertrauensbruch ist. Denn ich habe mit diesem Artikel genau das Gleiche gemacht.