Wer rechnen kann ist klar im Vorteil

Erstellt: 22.09.2016  Lesedauer 1 - 2 Min.

Ein Händler will und muss Gewinn machen. Eigentlich logisch. Dass er dabei die für ihn attraktivsten Angebote hervorhebt, eigentlich auch. Warum ist das Selbstverständliche so überraschend?

Beim Stern wird darauf hingewiesen, dass Amazon nicht immer das günstigste Produkt empfehle. Echt? Buoa! So eine Sauerrei! — Eben nicht. Amazon ist eine Händlerplattform. Die machen das nicht, weil sie philantropische Weltbeglücker sind. Die wollen Kohle machen. Wenn ungeduldige Menschen mit „Prime“ eine schnellere Lieferung wünschen, nehmen sie dafür Mehrkosten in Kauf. Die Limo im Restaurant kostet ebenfalls mehr als beim Getränkemarkt um die Ecke. Weil´s jemand bringt und ein Glas dazu stellt.

Fraglos ist es bitter für Händler, dass Amazon mit seiner Marktposition mittlerweile der saure Apfel ist, in den häufig gebissen werden muss. Andererseits bietet Amazon eine Logistik, die so manchen Händler erst groß gemacht hat. Schlicht, weil ihm keine Bank das Geld gegeben hätte, selbst die erforderliche Verwaltung, Lager, Mitarbeiter, etc. einzurichten.

Allerdings war es schon in der Vor-Amazon-Zeit so, dass gedankenloser Einkauf immer Mehrkosten als Folge hatte. Was sich heute via Vergleich von Anbieter-Seiten oder den Angeboten direkt bei Amazon von der Couch aus lösen lässt, war früher deutlich aufwändiger. Da war durchaus schon mal Reisetätigkeit erforderlich, um die Geschäfte abzuklappern, wenn der günstigste Preis gesucht wurde.

Auch ich zahle regelmäßig mehr als ich müsste. Das tue ich willentlich:

  • Die Ware kommt schneller, wenn ich nicht den billigsten Händler, sondern den mit der besseren Logistik oder zwecks Geschwindigkeit höheren Liefergebühren wähle.
  • Ich kaufe vor Ort ein, weil ich will, dass der Händler vor meiner Tür sein Auskommen hat. Er hält Sachen vorrätig, berät mich und ich kann es gleich mitnehmen. Das will ich honorieren.

Wenn ich sparen will, ist es gerade Amazon, dass mir dabei hilft. Ich muss mir halt ein bisschen mehr Arbeit machen. Wenn ich die Bequemlichkeitsopitonen nutze die Amazon anbietet, dann lässt sich Amazon das bezahlen (s. Limo im Restaurant). Ich kann allerdings ebensogut die — mutmaßlich aktiv verschlechterten — Ergebnislisten bei Amzon durchblättern und mir die für mich interessanten Angebote raussuchen. Oder Preisportale bemühen (die genauso schummeln wie Amazon, nur nicht so transparent). Oder, oder, oder.

Bei allem Gejammere über das böse Amazon sehe ich das ziemlich entspannt: niemand zwingt mich mit vorgehaltener Waffe, dort einzukaufen. Wer es bequem will und/oder nicht rechnen kann, wird überall angeschmiert — nicht nur bei Amazon.