Der Drohne sei Dank!

Erstellt: 27.11.2017  Lesedauer 1 - 2 Min.

Im Film- und Fernsehen wird immer mehr aus der Vogel­perspektive gezeigt.
Weil´s billiger ist und zwar viel Raum, jedoch wenige Details zeigt.

Mag sein dass ich mir das einbilde. Allerdings finde ich es auffällig, wie viele Filme und und teilweise auch Reportagen mit wachsendem Zeitbudget ihre Bilder aus Droh­nen­auf­nah­men schöpfen. Der gestrige Tatort hatte gefühlt Minuten­sequenzen mit Luft­aufnahmen, die vergleichs­weise einfach und preiswert erstellbare Zeitfüller und Stimmungs­geber waren. Selbst Handwerker-Sendungen auf VOX und Co. kommen mit wenigstens einem Rundflug um die Hütte daher.

Gute Luftbilder waren bis vor wenigen Jahren noch ein hoheit­liches Privileg. Es gab Firmen, die mit einer Luftbild-Lizenz ausge­stattet ins­besondere im ländlichen Bereich ordentlich Geld daran verdienten, wenn Papa sich ein Luftbild vom neuen Eigenheim über den Sims hängen wollte. Die Märklin-Ansicht von der eigenen Hütte lässt sich mit­tler­weile bei ver­gleichbaren Kosten mit einer eigenen Drohne und zusätzlich aus allen Himmels­richtungen und für alle Jahres­zeiten erstellen.

Land­schaufts­auf­nahmen von der nudistisch veranlagten oder eventuell sich in ihrem von Hecken um­schlos­senen Garten vor neugierigen Blicken geschützt und sich daher sicher fühlenden Nachbarin natürlich ebenfalls. Wenn sie das bildgebende Fluggerät registriert, wird es die genetische Anlage wahr­schein­lich kaum be­ein­flus­sen, das Sicher­heits­gefühl im eigenen Garten oder auf dem Balkon mit Sicherheit.

Den Blick von Oben hat uns bereits vor längerer Zeit Google-Maps eröffnet. Selbst ohne Drohnenflug sind Dank Hoch­leis­tungs­objektiven, in Satelliten installiert, extrem detail­lierte Ansichten aus Nachbars Garten frei zugänglich. Die richtig scharfen Bilder werden von denen benutzt, die den Satel­liten­rundflug initiiert haben und finanzieren. Wofür sie die Bilder brauchen, lässt sich nur vermuten. Eine Idee liefert jedoch sicher der Umstand, dass es für Gelände­bereiche, die unter dem Oberbegriff „Militär“ laufen, häufig nur signifikant schlech­teres Bild­material gibt.

Bei aus­reichender Blickhöhe ver­schwindet diese Bild­mani­pulation in der Auf­lösungs­minderung. Das entspricht dann dem, was Vogel­perspektive bedeutet: sie erweitert zwar den Horizont und schafft einen Überblick, dafür gehen die Details verloren. Wo früher aufgrund technischer und vom Sender vor­gegebenen Budget-Grenzen echte Kreativität für die 90 Minuten Krimi nötig war, wird heute mit einer Video-Drohne die drama­tur­gische oder vom Sende­fenster vorgegebene Filmlänge gefüllt.

Die Reiz­überflutung der Bilder von oben sorgt dafür, dass beein­druckende Bilder – die zweifellos damit möglich sind – an Kraft verlieren. Ein Drohnen­rundflug durch das zerstörte Allepo verkommt aufgrund der Abstumpfung schlimm­stenfalls zu einem Trailer für ein Endzeit-Ballerspiel. Stellt sich mir die Frage, was mit dem Video erreicht werden sollte. Denn diese Bilder lassen sich in viele Richtungen deuten. doch unabhängig davon verstellt es den Blick auf das Elend am Boden.