Frisch vom Schiff

Erstellt: 07.06.2017  Lesedauer 2 - 3 Min.

Eigentlich sollte und der TÜV scheiden. Eigentlich. Sprunghaft steigende Wartungsausgaben und die Unsicherheit, ob ich mit einem Dieselauto noch in die Stadt komme, führte eine Entscheidung herbei.

Die Kilometerleistung war noch kommod. Knapp über 125.000 km sind keine exorbitante Lebensleistung für ein modernes Auto. Allerdings war er schon 15 Jahre alt. Weil er die längste Zeit davon als Zweitwagen ein eher stehendes als rollendes Leben führte, sah er zwar noch ganz gut aus, hatte aber doch so seine Zipperlein. Der ursprüngliche Plan war, dass der TÜV die Trennung von meinem Megane der ersten Generation vollziehen sollte. Denn trotz seines Alters war er mit seiner Ausstattung im Vergleich mit Neuwagen immer noch auf sehr hohem Niveau und ob neu ob alt, ob teuer oder billig: im Stau und beim Tempo 120 Schild werden alle (vor dem Gesetz) gleich. Ohne Begrenzungsschild machte er immer noch Laune, flott und genügsam war er mit seinem Turbo-Diesel-Motor.

Letzteres machte mir jedoch in den letzten Wochen zunehmend Sorgen. Denn wenn die Diskussion so weiter geht – was Auto-Lobby-Minister Dobrindt noch blockiert – könnte es für Diesel-Fahrzeuge schwieriger werden. Sowohl was den Gebrauch als auch den womöglich erforderlichen Verkauf betrifft. Denn ich will nicht darüber nachdenken müssen, ob ich mit meinem Auto bis zum Ziel komme oder davor in die S-Bahn umsteigen muss. Zunehmende Zickigkeiten, was die Verlässlichkeit in Frage stellte, führten zu einer spontanen Entscheidung.

Weil ich ebenfalls älter werde und mich die Zipperlein ereilen, setzt eine gewisse Altersbequemlichkeit und -weisheit ein. Ich will ohne Kopfeinziehen oder in die Hocke gehen ins Auto einsteigen, oder mich von da unten aus einer Blechdose schälen. Ein paar Ausstattungsmerkmale wie Tempomat und Begrenzer hatte ich lieb gewonnen, ebenso wie das Xenon-Licht. Das ersetzt der Mazda zeitgemäß mit LED-Licht, was nebenbei Sprit spart. So sparsam wie der Megane wird er wohl nicht sein, denn als Benziner ist er sowohl in der Mengen- als auch Preisanforderung wahrscheinlich gieriger. Dafür sind die Grundkosten niedriger. Mal schauen, ob er sich ebenso einschmeicheln kann, wie es der Renault geschafft hat.

Mit ein paar „Sperenzchen“ hat er das Potenzial dazu. Die Freisprecheinrichtung beispielsweise ist die Beste, die mir bisher untergekommen ist. Gesprächspartner reagieren überrascht wenn ich sage, dass wir uns fahrenderweise damit unterhalten. Das DAB+ Radio ist beeindruckend. Mal schauen, ob es bei Überland- oder Langstreckenfahrten dabei bleibt. Das Navi habe ich mir – ursprünglich – gespart, denn rund 700 € für eine SD-Karte erscheint mit „solide“. Zufällig konnte ich eine Original-Karte bei E-Bay für 80 € schießen, was eine gute (weitere) spontane Entscheidung war. Per Sprachbefehl geht es zum Ziel, (bekannte) Tempolimits werden erkannt und daran erinnert, ein gut lebares Display mittig im Cockpit bekommt einen zweckmäßigeren Sinn als die Anzeige des laufenden Musiktitels.

Es gibt noch ein paar Gimmicks mehr. Ob sie genau das, oder doch zweckmäßig und sinnvoll sind, muss ich noch ergründen. Den Rückfahr-Sensoren traue ich ehrlicherweise bisher keinen Nanometer über den Weg, die „Achtung da kommt was von hinten“-Lämpchen in den Außenspiegeln sind ziemlich praktisch, das Kopfdrehen werde ich dennoch beibehalten. Was das Handbuch darüber hinaus dringend empfiehlt. Denn nicht der Sensor, sondern der Fahrer trägt die Verantwortung.