Sintflut

Erstellt: 30.06.2017  Lesedauer 3 - 4 Min.

247 Liter pro Quadratmeter. In weniger als 24 Stunden. Eine Wassermenge, die sich sonst über ein halbes Jahr verteilt. Da wird es eng.

Derart Sintflut-artige Regenfälle gibt es – glücklicherweise – nur selten. Denn wie sich gestern gezeigt hat, kommen wir mit solchen Wassermassen nicht klar. Da reichen selbst die dicksten Rohre nicht. Wer weiter unten am Hang wohnt hat statt Wasserablaufkanal eine kräftig sprudelnde Quelle vor Tür. Hier in Birkenwerder hat sich deshalb in der Senke in der Ortsmitte beim Rathaus ein kleiner See gebildet. Soweit ich bisher erfahren konnte, ist nichts wirklich Schlimmes passiert. Lediglich die Ortsdurchfahrt war blockiert. Was blöd ist, weil es sich dabei um die B96 handelt, eine Hauptschlagader zwischen Berlin und Brandenburg.

Ich stand währenddessen nur mit Badehose im Garten. Bei ca. 19° hat so ein kräftiger Regen esoterische Kraft. Die konnte sich bei mir allerdings nicht entfalten, weil ich dagegen ankämpfte, dass noch mehr Wasser durch die grundsätzlich erfreuliche dichte Kellertür dringt und den Keller flutet.

Vor der Tür ist gerade Baustelle, weil ich den Keller isoliere und die Treppe neu anlege. Das nahmen die Regenmassen als Einladung und schwemmten fröhlich viel vom mühsam Ausgegrabenen wieder in die Baugrube hinein und kamen als Partygäste mit.

Es erwies sich als außerordentlich praktisch, dass ich – ganz zufällig – mehrere Sandhaufen zur Hand hatte. Die türmten den Inhalt der Baugrube im Garten. Damit konnte ich taktische Kleinhügel bilden und den weiteren Zufluss der überfließenden Regenrinne umleiten. Nachdem der Zulauf weitestgehend gestoppt war – von senkrecht oben konnte ich es nicht verhindern – kam die Schmutzwasserpumpe zum Einsatz. Die besitze ich aus einer Laune heraus, sie war billig und füllte den erforderlichen Betrag für kostenlosen Versand. Sie war natürlich teurer als das Eingesparte, aber darum geht es gerade nicht.

Die Pumpe ist bisher noch nie so richtig zum Einsatz gekommen. Gestern durfte sie zeigen, was sie kann. Zum Glück konnte sie. Aus knietief wurde relativ flott wadentief – der entscheidende Pegelunterschied zwischen gewinnen oder verlieren. Denn wadentief bedeutete Oberkante Unterlippe bei der Kellertür.

Nachdem ich das stabilisieren konnte, wagte ich den Gang in den Keller. Natürlich nicht durch die Tür vor mir, da lag ja der in die Kuhle gespülte Sandhaufen. Nachdem ich durch den Vordereingang drinnen war, fiel mir ein Vorbereitungsfehler auf. Ich hatte zwar nur eine Badehose an, das Badetuch lag natürlich nicht in der Veranda. Was zu entsprechenden Pfützen auf dem Weg in den Keller führte, das war jedoch erst einmal nachrangig. Denn dort begrüßte mich ein zwei Finger tiefer Flächensee. Der hatte zu meiner großen Freude den Pegelstand Oberkante Unterlippe der Türstürze zu den Kellerräumen. Die Brühe stand nur im Vorraum und ließ sich mit Schaufel und Eimer relativ gut beseitigen.

Nachdem das Wasser weitestgehend aus dem Keller entfernt war – ich habe keinen bodentiefen Ablauf, das wollte alles per Eimer in ein Becken gehoben werden – noch den Bautrockner angeworfen. Doch gewonnen war die Schlacht noch nicht. Draußen hatten sich wieder ein paar Sturzbäche gebildet, die den Wasserpegel bedrohlich ansteigen ließen.

Am Ende des Tages …

  • … hatte ich mehrmals warm geduscht, denn trotz 19° ist Regen (und der fiese Wind!) auf Dauer doch ganz schön kalt.
  • … einen Sandhügel komplett verarbeitet. Teile davon werde ich wieder dorthin zurück schaffen müssen, was ich aufgrund der durch das Wetter gegebenen Prioritäten in Kauf genommen habe.
  • … bekam ich etwas Panik, weil die Schmutzwasserpumpe sich entschied, nichts mehr zu pumpen. Allerdings konnte ich sie durch einen gezielten chirurgischen Eingriff (zerlegen, Holzstückchen raus, wieder zusammen bauen) zum Weitermachen überreden.
  • … drückte das Wasser im Keller in einem kleinen Rinnsal durch die Grundmauer (Baujahr 1933). Nicht verhinderbar und vergleichsweise harmlos, weil Kleinmengen klares Wasser in der Waschküche beherrschbar sind.
  • … war ich völlig platt.

Momentan ( 30.06.2017, 9:00 Uhr) regnet es zwar weiterhin kräftig, bei mir haben sich jedoch die Pegelstände eingepegelt. Das Rinnsal im Keller rinnt, der See vor der Kellertür steigt nicht, das Wasser aus der Regenrinne versickert vom Haus weggeleitet im sandigen Boden. Wenn´s so bleibt, wär´s gut. Besser wäre natürlich, wenn der Regen endlich aufhört. Was er lt. Wetterdienst jedoch wohl vorerst nicht machen wird. Weshalb ich weiterhin Pegelwache halte (mit dem Laptop am Küchenfenster…) und alle Werkzeuge für die Wasserbekämpfung griffbereit stehen.