Staatstrojaner

Erstellt: 29.06.2017  Lesedauer 2 - 3 Min.

Der Staat will mit einem Computer-Schädling Verbrechen bekämpfen. Das ist in etwa so, wie Feuer mit Benzin löschen.

Computer-Trojaner nutzen Schwachstellen aus. Damit sie funktionieren, muss eine gefunden werden und – entscheidend – gut geschützt und verheimlicht werden. Denn wird die Schwachstelle verstärkt, funktioniert der Trojaner nicht mehr. Der wanzt sich ins Computer-System ein und kann sein Werk verrichten. Der Staatstrojaner soll spähen und berichten.

Das Ganze ist bei Licht betrachtet jedoch in mehrfacher Hinsicht ziemlich blöd. Wenn bei meinem Nachbarn die Tür aufsteht, weil er das Schließen vergessen hat, gehe ich hin und ziehe sie wenigstens zu. Sonst könnte jeder reingehen und sich bedienen. Wenn für den Staat Türen offen stehen, können diese natürlich von bösen Menschen genauso genutzt werden. Die können dann das machen, was der Staat mit seinem Werkzeug, das sonst nur Kriminelle nutzen, verhindern oder verfolgen will.

Wegen einiger Weniger setzt der Staat die Sicherheit aller aufs Spiel.

Wohin das führt, hat erst kürzlich „Wannacry“ vorgeführt. Der hat sich zwar die Nachlässigkeit vieler – auch behördlicher – Computernutzer bedient, weil er ein eigentlich bekanntes Einfallstor nutzen konnte, das auf veralteten und bekanntermaßen schlecht geschützten Systemen sperrangelweit offen stand. Die Lücke war dem US-Geheimdienst bekannt, der verheimlichte es jedoch viele Jahre, damit er seine Arbeit damit machen konnte. Das haben dann – vorhersehbar – „die Bösen“ ebenfalls ausgenutzt (s. o.).

Mir stellt sich darüber hinaus dir Frage, wie blöd Verbrecher sein müssen, damit sie mit einem Staatstrojaner überführt werden können. Wenn lang und breit in der Presse steht, dass der Staat sowas benutzt, wird jeder einigermaßen intelligente Bösewicht Wege finden, dass der Trojaner ins Leere läuft. Notfalls nimmt er Brieftauben und schreibt seine Botschaft mit der Hand. Ohne digitalen Spuren ist der Staatstrojaner wirkungslos.

Zumindest, was seine offizielle Funktion betrifft. Wenn man schon mal da ist, kann man sich ja trotzdem mal umsehen und einpacken, was verdächtig scheint. Das nennt sich dann Spionage und hat mit Verbrechensbekämpfung bestenfalls sehr, sehr entfernt etwas zu tun.

Ob ein Staat spionieren muss, weiß ich nicht. Ich verbinde damit – zumindest bisher – nur Negatives. Das beginnt mit Computerlücken, die schädlich für die Gemeinschaft sind und endet wahrscheinlich noch lange nicht bei der praktizierten Unterstützung radikaler Gruppen. Es kann dabei der Eindruck entstehen, dass Dinge gefördert werden sollen, die Voraussetzung für die eigene Existenz sind. Denn gäbe es keine Terroristen, würde der Staat die Terrorbekämpfung sicherlich nur noch auf kleiner Flamme köcheln. Was machen dann die vielen freigesetzten Spione? Hollywood zeigt es: die machen weiter wie bisher, halt für jemand anderen, der sie bezahlt.

Das ist sehr plakativ, darüber bin ich mir im Klaren. Ich sehe durchaus den Nutzen und die Notwendigkeit. Das Dilemma der fehlenden Transparenz, die es für die Wirksamkeit der Mittel nicht geben kann, ist schwer auflösbar.

Wenn jedoch gewählte Volksvertreter Unterlagen erhalten, in denen Wesentliches unkenntlich gemacht ist, was eine Kontrolle der staatlichen Institutionen erschwert bis unmöglich macht, entsteht unweigerlich der Eindruck eines „Staats im Staate“ nur dass der eine im Dunkeln ohne Kontrolle agiert. Dabei bleiben das Grundgesetz, unsere Demokratie und unsere – zumindest nach Außen propagierten – Werte dort draußen. Das ist mehr als bedenklich.