Flügelschläge und Reissäcke

Erstellt: 27.07.2018  Lesedauer 1 - 2 Min.

Facebook hat „mal eben“ die größte Menge Geld vernichtet, die jemals an der Börse an einem Tag pulverisiert wurde. Wobei sie deshalb keineswegs hungern müssen. Schuld ist der Datenschutz. Angeblich.

Ist schon beängstigend, wie brutal die Börse reagiert, bloß weil Facebook sagt, dass da ein bisschen weniger Umsatz reinkommt, als vorhergesagt. Wohlgemerkt: weniger. Das was bleibt, ist immer noch unvorstellbar viel.

Es wurde noch immer 13 Milliarden (!) Umsatz im Quartal (!!) gemacht. Was immer noch fabulöse 31% Gewinn bedeutet. Für Aktionäre ist das gleich Weltuntergang, der durch das eigene Verhalten befeuert wird. Denn 19% Aktienverlust tun sogar Mark Zuckerberg weh. Der ist jetzt mal eben um 16 Milliarden (!!!) Dollar ärmer ist.

Schuld ist natürlich der Datenschutz. Weil jetzt die Kundschaft nur mit deren Einverständnis ausspioniert und vermarktet werden darf, was sie nur widerwillig mitmacht oder gar verweigert. Dazu noch ein (bekannt gewordenes) Datenleck, das kommt bei der Werbewirtschaft weniger gut an. Außerdem scheint der ein oder andere Kunde festzustellen, dass Social Media zwar kein Geld, dafür aber einen Haufen Zeit kostet, die dann wo anders fehlt.

Wäre ja schön, wenn sich als Folge davon die/der ein oder andere mal fragt, wem von all den „Likern“ oder „Freunden“ mal wirklich ins Gesicht geschaut oder mit wem davon mal persönlich wenigstens am Telefon gesprochen wurde. Da werden die langen Listen bei den meisten plötzlich extrem übersichtlich kurz.

Bei anderen, die trotzdem noch eine vergleichsweise lange reale Kontakte-Liste haben, würde sich auf Nachfrage sehr wahrscheinlich herausstellen, dass es bestenfalls einmal passiert ist, oft gerade mal ein über den Platz gebrülltes „Hallo!“ bei irgend einem Festival. „Party-Freunde“. Wenn es darauf ankäme, würde ich jedenfalls keinen Cent darauf wetten, dass aus dieser Gruppe mal jemand z.B. beim Umzu mit anpackt.

Augenscheinlich hat sogar Facebook mittlerweile kapiert, dass die Kreise wieder enger werden. Jedenfalls machen sie dementsprechend demütige Werbung im Fernsehen, um das weitere Wegbrechen der Kundschaft aufzufangen. So haben lokale Erkenntnisse und Verhaltensweisen plötzlich globale Auswirkungen. Könnte in einer immer schnelleren und vernetzteren Welt womöglich doch eine Rolle spielen, wenn in China ein Sack Reis umfällt oder ein Schmetterling zum Flug ansetzt… .