Schönrechnerei

Erstellt: 18.06.2018  Lesedauer 1 - 2 Min.

Dieses Jahr fand die CeBIT mit einem „neuen Konzept“ statt. Mehr Spaß, weniger IT. Zumindest habe ich das so verstanden. Was das soll, hat sich mir nicht erschlossen: eine IT-Messe mit weniger IT?

Das Fazit bei Heise „Liegestuhl statt Aktentasche“ macht mich ehrlicherweise nachdenklich. Grundsätzlich bin ich erklärter Anhänger von Spaß an und in der Arbeit. Dennoch bin ich mir darüber im Klaren, dass am Ende des Tages Arbeit geleistet werden muss, die letztendlich den Spaß finanziert (bzw. finanzieren soll).

Ein Straßenkehrer würde fraglos lieber im Liegestuhl auf dem LKW durch die Stadt fahren, als den Besen schwingen. Das würde ich ihm von Herzen gönnen, doch wer räumt dann den Müll weg? Kunden finden es sicher klasse, wenn sie fröhlich begrüßt werden, doch sie wären vorhersehbar angefressen, wenn im Spaß die Anwort auf ihre Anfrage unterginge.

Ich deute die weiter stark abnehmenden Besucherzahlen durchaus als Erkenntnis der Zielgruppe, dass Fun First ein schlechtes Motto für ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist. Die Besucherzahlen haben sich – lt. Heise – gegenüber dem bereits sehr schwachen Vorjahr nochmal fast halbiert. Doch die Messe feiert das als Erfolg.

Mag sein, dass ich das zu konservativ betrachte. Für mich sind abnehmende Besucherzahlen einem abnehmenden Interesse gleichzusetzen. Das hat eher was von Klatschen und Singen im Wald als mit zuversichtlicher und vor allem selbstkritischer Einschätzung zu tun. Da wird sich was schöngerechnet, was bei objektiver Betrachtung ein Trauerspiel ist.

Manchmal ist weniger mehr. Bei einer Veranstaltung, deren primäres Ziel „Reichweite für die Aussteller“ sein müsste, sind kontinuierlich dramatisch abnehmende Besucherzahlen alles. Außer ein Grund für eine „positive Bilanz“. Es sei denn, da freut sich der Veranstalter, dass überhaupt jemand kam.