Was Vergleiche verraten können

Erstellt: 14.01.2018  Lesedauer 1 - 2 Min.

Frau Dreyer von der SPD hat einen sehr interessanten Vergleich gezogen – und damit unbeabsichtigt ein Schlaglicht auf das Kernproblem deutscher Politik geworfen.

Bei N24 wird ihre Forderung zitiert, dass es „einen Modernisierungsschub geben muss, um Deutschalnd an die Gigabit-Gesellschaft anzuschließen, und zwar im ICE und nicht im Bummelzug“. Das ist ein ziemlich fatales Eigentor.

Schauen wir uns den ICE an, fällt (mir) auf, dass der primär dann im Gespräch ist, wenn er

  • an Wolfsburg vorbei fährt
  • mit weit weniger als 80% Planmäßigkeit eine ziemlich miese Pünktlichkeit hat
  • auf der schweineteuren, endlos lang gebauten „Hochgeschwindigkeitsstrecke“ München-Berlin liegenbleibt und selbst wenn er dort fährt, eher ausnahmsweise mit Vollgas
  • die gute Verkehrsanbindung auf weniger Punkte konzentriert und damit die Infrastruktur in der Fläche weiter zurückgebaut wird

Das die „Prestige-Strecke“ München - Berlin zwar schon befahren wird, aber noch bis voraussichtlich 2030 fertig gebaut werden muss, wurde im Rahmen der Streckeneröffnung schlicht wegignoriert.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet lassen sich solche politischen Ziele und die Beschreibung der geplanten Umsetzung als Drohung lesen. Dann doch lieber Bummelzug: der kommt verlässlicher, pünklicher und hält damit das gegebene Versprechen ein, statt Hoffnungen zu schüren, die enttäuscht werden.

Wenn sich Frau Dreyer tatsächlich am ICE als Referenz um „anzuschließen“ orientiert, lässt das auf verschiedensten Ebenen erkennen, dass da jemand ziemlich viel von keiner Ahnung hat, das den Zuhörern unterstellt oder beides. Im Kontext zu Koalitionsverhandlungen mit der „Weiter so!“-Kanzlerin und als Argument dafür, entdecke ich darin eine in der Distanz schwer definierbare Entrücktheit von der Lebensrealität und den drängenden Notwendigkeiten eines Großteils der Bevölkerung.