Gourmet-Dessert und Proleten-Pizza

Erstellt: 13.12.2020  Lesedauer 1 - 2 Min.

Zur Weihnachtszeit überschlagen sich die Supermärkte mit lukullischen Sensationen. Zumindest versprechen das die Prospekte. Was verkaufen die wohl den Rest des Jahres?

In den wöchentlichen Prospekten von Aldi, Lidl, Kauf­land, Rewe, … wird die Zeit ein­ge­läutet, in der es – endlich! – mal was ver­nünf­tiges zu kaufen gibt. Zumindest wird der Eindruck vermittelt. Ins­be­son­dere zu christ­lichen Feier­tagen stapelt sich „Gourmet“-, „Genuss“-, „Frische-Knaller“-Ware auf der deutlich gewachsenen Anzahl Seiten.

Was bekommen eigentlich an den anderen Tagen angeboten, wenn den Produkte das „Gourmet-Siegel“ fehlt? Ist das die Reste­rampe dessen, was für die Pro­duk­tion der hoch­wer­tig­eren Ware übrig bleibt und halt auch weg muss?

Es ist schon verwun­der­lich, wenn bei gleicher Packungs­größe wie im übrigen Jahr jedoch vermeintlich edlerem Design etwas angeblich Höher­wer­tiges ent­halten soll als sonst. Dabei nur unwesentlich teurer, es wird vermittelt, es sei ein Schnäppchen – bei dieser Qualität!

Offenbar sind wir wirklich derart leicht täusch­bar. Wären wir klüger, würden Werbende sich den Aufwand für „Weih­nachts­ver­pack­ungen“ sicher sparen. Dabei werten diese Maß­nahmen im Gegen­zug das übrige Sortiment ab. Was kein „Gourmet“… schmückt – was ist das wohl? Proleten-Futter? Zuge­geben: Slogans der Art »Macht satt!« oder »Neue Rezeptur – jetzt weniger Durchfall!« ziehen weniger als »Gourmet…«. Wobei es womög­lich viel rele­van­tere, vor allem ehr­lichere Infor­mation wäre.

Es ist ein ziemlich plumper psycho­lo­gischer Trick, das Gleiche in anderer Verpackung an­zu­bieten, mit der Sug­ges­tion, es sei etwas ganz Beson­der­es, Besseres als sonst. Es mag Leuten helfen, aus einer Rea­lität zu fliehen, mit der sich ein wach­sen­des Prekariat kon­fron­tiert sieht. Dem wäre jedoch mehr geholfen, wenn sie das ganze Jahr über zu ver­nünf­tigen Preisen ver­nünf­tige Nahrungs­mittel kaufen könnten. Aller­dings ist dieser gesell­schaft­liche Aspekt kein rele­van­ter Be­stand­teil des Kapi­ta­lis­mus oder im Fokus von Aktionären.

Der liegt eher darauf, dass der Mensch zu Feier­tagen bereit ist, sich mal was zu gönnen – da muss jemand den Rahmen schaffen und den Rahm abschöpfen.

Wer sich wirklich was gönnen will, sollte daher die rosa Brille ab­setzen, damit es leichter fällt sich auf das zu besinnen, was wichtig ist: Die Tatsache, dass die Ver­pack­ung weg­ge­wor­fen wird. Es kommt drauf an was wirklich drin ist – egal was drauf steht.

Das Bild stammt von Pixabay.