Klimaziele ohne Perspektive

Erstellt: 23.09.2020  Lesedauer 3 - 4 Min.

Die SPD will den CO2-Preis für den „Klimaschutz“ auf Mieter und Vermieter aufteilen. Doch wie so oft ignoriert diese politische Idee ein paar wesentliche Details.

Mehrkosten durch Klimaschutz ist genau der Aufmacher, der im Wirtschaftsteil der „WELT“ das konservative Publikum anspricht. Viele davon sind womöglich Vermieter, die sich nach Vorstellung der SPD an den „CO2-Steuern“ beteiligen sollen. Im SPD-geführten Bundesumweltministerium wird etwas von »sozialer Abfederung« der Kosten für den Klimaschutz schwadroniert. Außerdem schaffe das Druck, auf „klimafreundliche“ Heizungen umzurüsten.

Betrachten wir die Realität

Die Umlage von Verbrauchskosten auf den Vermieter wird dieser problemlos auffedern, weil dann eben eine neue Heizung eingebaut wird, die den Wohnraum entsprechend verteuert. Das darf er sich nämlich bei den Mietern wiederholen. Was die Mieten gerade in Ballungsräumen noch weiter ansteigen lässt. In Berlin wird es den „Mietendeckel“ noch angreifbarer machen, weil dieser – so lässt sich zumindest argumentieren – Renovierungen noch unattraktiver macht. Modernisierungen können mit maximal einem Euro pro m² umgelegt werden. Was beispielsweise den Neueinbau einer Heizung wirtschaftlich unattraktiv macht.

Ein kleines Rechenbeispiel

Ausgehend von rund 50m² pro Person, die in Deutschland statistisch „jeder hat“ und knapp unter dem durchschnittlichen, deutschen Wohnhaus.

Gegeben ist ein rund 30 Jahre altes Mietshaus mit sechs Parteien, die Wohnfläche beträgt 300 m². Der Austausch der „guten“ Gasheizung mit einer modernen, (noch) Klima-schonenderen (Gas-)Heizung kostet rund 15.000 €. Aufgrund der Umlagegrenzen dauert es über 12 Jahre, bis diese Investition refinanziert ist.

Selbst wenn in diesem Haus eine richtig fiese Heizung pro Wohnung 100 € „CO2-Steuer“ pro Jahr generieren würde (liegt in den meisten Fällen deutlich darunter) sind das für den Vermieter – nach SPD-Vorschlag – anteilig 300 € pro Jahr. Kosten, die er natürlich genauso steuerlich geltend machen kann, wie die Anschaffung der neuen Heizung. Wobei es einen klizekleinen Unterschied darstellt, ob ich 300 € Ertragsminderung im Jahr habe oder meine Rücklagen ohne persönlichen Vorteil abschmelze.

Die Annahme von „Leidensdruck“ beim Vermieter ist daher völlig absurd: Um seine (sehr hoch angenommenen) CO2-Kosten zu halbieren – auf 150 € Mehrkosten pro Jahr – würden Vermieter 15.000 € investieren (durchschnittlich deutlich mehr).

Bei (aktuell…) 1% Zinsen ist das bestenfalls ein Nullsummen-Spiel mit allen Risiken beim Vermieter. Doch es ist wahrscheinlich ein „Zuzahlungsgeschäft“, wenn lediglich der Mietaufschlag zur Tilgung verwandt werden kann. Dann läuft das Darlehen 13,5 Jahre.

Wieviel „Buhei“ werden Vermieter für eine Ertragsminderung von 150 € im Jahr wohl tatsächlich veranstalten? In den meisten Fällen wird der erzeugte „wirtschaftliche Leidensdruck“ vom Vermietern schmerzfrei sein. „Gekniffen“ sind allerdings und wieder nur die Verbraucher.

Das entscheidende Detail

Die Aktion soll dem Wechsel zu »klimafreundlicheren Alternativen« anregen. Welche das sein sollen, bleibt im Dunkel. Was beispielsweise für Solarheizungen ein Problem ist, wenn die Sonne sich verdunkelt: Die Bude bleibt kalt. Mit Solarstrom wird sie dann ebenfalls kein Grad wärmer. Doch selbst durch Einsatz von Solarwärme und Solarstrom lässt sich der tatsächliche Energiebedarf eines derartigen Mietobjekts mit nur sechs (!) Mietern mit aktueller Technologie unmöglich erwirtschaften. Mit 9 m² Warmwasser-Kollektoren lassen sich 58% des Warmwasserbedarfs herstellen. Für den Rest muss etwas anderes her – was gibt es aktuell als „Alternative“ zu fossilen Brennstoffen dafür?

Fraglos gibt es da „Konzepte“. Doch bis zu deren Marktreife ist es noch unbestimmt lang hin. Von „bezahlbarer Marktreife“ ganz zu schweigen. Darunter fallen diverse verfügbare „Lösungen“, die ehrlich gerechnet nur marginal CO2 einsparen, dafür jedoch jenseits jeder Wirtschaftlichkeit sind1.

Fazit

Natürlich ist Umweltschutz wichtig. Bewussterer Umgang mit Energie, insbesondere fossilen Brennstoffen ebenfalls. Doch wie soll uns eine „CO2-Steuer“ zum Umdenken erziehen, wenn es absehbar keine bezahlbaren oder durch Mieter beeinflussbaren Alternativen zu dem gibt, was damit besteuert wird?

Wirklich Wirkung kann nur ein grundlegendes Umdenken des Konsumverhaltens bringen:

  • Muss die Wohnung im Winter wirklich 20 - 22°C warm sein? Im Frühling sitzen wir doch auch bei 18°C im T-Shirt draußen.
  • Müssen alle Räume so warm sein?
    • Wie lange halte ich mich im Flur auf?
    • Was spricht gegen „Türen schließen“ damit die Wärme in den tatsächlichen „Wohnräumen“ bleibt?
    • Was spricht gegen etwas dickere Zudecken im Schlafzimmer?
  • Was spricht gegen den „Sarazin-Pulli“?

Diejenigen, für die von der SPD diese vermeintliche »soziale Abfederung« gedacht ist, werden sich wegen der CO2-Steuer solche Fragen stellen müssen.

Die anderen werden sich bestenfalls über die Verteuerung ärgern und – wahrscheinlich – einfach so weiterleben, wie vorher schon. Und selbst viele Eigenheimbesitzer, die durchaus „willig“ wären, müssen die Kröte schlucken. Denn die Bank wird ihnen kaum einen Kredit für eine neue Heizung geben, wenn der für's Haus noch läuft oder die Bewohner aufgrund ihres Alters ein zu hohes „Kredit-Risiko“ darstellen.

Das Bild stammt von Pixabay.

1Von findigen „Bastel-Lösungen“ abgesehen, die technisch Versierte in Eigenleistung erstellen. Wofür ihnen jedoch der Gesetzgeber maximale Hindernisse und Auflagen in den Weg stellt, dank erfolgreicher Lobbyarbeit der Energiekonzerne.