Was den frühen Vogel wurmt

Erstellt: 07.08.2020  Lesedauer 1 - 2 Min.

Bilde ich mir das ein oder werden Nachrichten tatsächlich immer dümmlicher?

Ich bleibe bewusst im Vagen, welche Publikation mich zu diesem Artikel motiviert hat.

Morgens nutze ich gern den „Nachrichtenaggregator“ newstral.com zur Übersicht. Dort genügt bereits ein Überfliegen der gesammelten Überschriften für das Erkennen des publizistischen Gleichklangs in den Medien

Zumindest bei den Themen. In der Interpretation ist bei einigen, die sich ob ihrer Reichweite mit dem Wörtchen „führend“ schmücken können, zunehmend das, vor dem im Deutsch-Unterricht des letzten Jahrtausends als „tendenziöse Berichterstattung“ gewarnt wurde: Bereits die Überschriften appellieren an Meinungsblasen. Was das Abgrenzen zu „anderer Meinung“ signifikant vereinfacht. Für die Kommunikation zwischen den Gruppen ist es leider wenig hilfreich, wenn diejenigen, die sich eigentlich dem Pressekodex verpflichtet fühlen (sollten), das Gegenteil voran treiben: Sie spalten.

Das Phänomen ist kein Alleinstellungsmerkmal einer bestimmten politischen Couleur. Erfahrene Lesende wissen: Hinter jeder Publikation steht ein Verlag, der wiederum einer politischen Richtung nahe steht, die wiederum vom Verlag getrieben wird, der wiederum die entsprechende Stimmung macht,… – soviel zur „unabhängigen Presse“.

Mir rückt es die einfachere Vergleichbarkeit offenbar stärker ins Bewusstsein: Zumindest gefühlt wurde früher subtiler „Meinung gemacht“. Offenbar sehen sich die Autoren genötigt, sich der allgemein wachsenden Schlichtheit von Gedanken und Meinungen anzupassen. Intellektuelle Simplifizierung als journalistische Antwort auf die wachsende Komplexität unserer Umwelt.

Wer mit „ich zuerst“ an alle Anforderungen des Lebens heran geht, mag es für sich angenehm gestalten. Es mag sogar eine tumbe Fangemeinde dafür geben, die darin etwas Gutes für sich erkennen will. »Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient«. Im Überlebenskampf der Verlage die dem Medium Papier anhaften, das zumindest bei allen unter 50 (und zunehmend darüber) irgendwie aus der Zeit gefallen scheint, wirkt es, als sei das dort mittlerweile der neue Kodex: »Jedes Volk bekommt die Medien, die es verdient«. Aber:

Haben wir die Medien, die wir verdient hätten?

Statt Qualität und gebotener Distanz wird sich rangewanzt, dick aufgetragen, polemisiert.
Exemplarisch gesprochen: Natürlich ist Corona ein Problem, natürlich sollten wir alle zu unserem eigenen und dem Schutz der Anderen Hygiene-Regeln beachten. Doch objektiv gilt das immer: Eine aufgrund von Hygiene-Nachlässigkeit übertragene Grippe kann ebenfalls töten. Trotz Impfstoff.

Etwas „unaufgeregtere“ Berichterstattung könnte die allgemeine Aufgeregtheit reduzieren. Aufgeregte Menschen sind gefährlich impulsiv.

Das Bild stammt von Pixabay.