Äpfel vs. Birnen

Erstellt: 11.04.2021  Lesedauer 2 - 3 Min.

Corona-bedingt finden Einkäufe verstärkt im Internet statt. Das beflügelt die Vergleichsportale und Produkt-Anbieter. Doch der vermeintliche informelle Vorteil entpuppt sich zunehmend als Fehlinformation: Suchtreffer sind eigentlich keine.

Ich sitze sehr viel vor meinem Computer. Das war schon vor Corona so. Deshalb ist die Kommunikationsschnittstelle – die Tastatur – wahrscheinlich das meiststrapazierte Bauteil. Was einen natürlichen Verschleiß zur Folge hat. Die aktuelle Tastatur – das Perixx PERIBOARD-512 — ist das bisher zufriedenstellenste Gerät für diesen Zweck: Alle Tasten funktionieren noch wie am ersten Tag, auf allen Tasten sind ist die Beschriftung vollständig zu lesen. Das hat die Tastatur den „Markenprodukten“ von LogiTech und Microsoft voraus. Keiner der Mitbewerber im Bereich „ergonomische Tastatur“ dieser Anbieter hat je so lange durchgehalten. Entweder waren die Beschriftungen schon nach kurzer Zeit abgerubbelt, Tasten ließen sich zwar drücken, schicken aber kein Signal mehr gen Computer, oder Beides.

Gegenüber meiner aktuellen Tastatur hatten die „Markenprodukte“ lediglich einen Vorteil: Der Anschlag war leiser. Die vorzüglichen mechanischen Tasten des Periboard 512 machen nämlich ganz schön Radau. Was mich beim Schreiben in einen kleinen Nostalgie-Rausch versetzt, habe ich das 10-Finger-Schreiben doch noch an mechanischen und elektrischen Schreibmaschinen gelernt. Dagegen ist das erzeugte Geräusch flüsterleise. Doch dieser subjektive Wohlklang ist für meine Frau (für mich nachvollziehbare) Lärmbelästigung. Zumindest, seit sie – Corona-bedingt – mit mir das heimische Büro teilt.

Daher spiele ich mit dem Gedanken, mir ein Nachfolgemodell, das PERIDUO 505 anzuschaffen. Was mich noch zurückhält: Membran-Tasten. Daher werde ich vorab noch einen Versuch mit Gummi-Ringen unter jeder Taste versuchen. Der Gedanke, die wirklich prima funktionierende Tastatur auf dem bestehenden Tastatur-Friedhof abzulegen, widerstrebt mir, nur weil sie ein bisschen lauter ist.

Der geneigte Leser wird sich nun die Frage stellen, was das mit der Überschrift zu tun hat. Augenscheinlich erst einmal gar nichts, doch diese Einleitung ist die Brücke dorthin. Die Suche nach Tests und Einkaufsmöglichkeiten für Tastatur-Alternativen führte mich nämlich auf diverse Seiten mit „Tests“ und „Preisvergleichen“, denen allen einiges gemein war:

  • Bei Tests sind immer „Markenprodukte“ die »Top-Produkte«
  • Es wird immer der Preis von Amazon angezeigt.
  • Es wird immer auf eine Einkaufsmöglichkeit von Amazon verlinkt.
  • Bei Preisvergleichen werden immer alle Tastatur-Layouts in einen Topf gehauen, wen interessiert schon, wo das Z auf der Tastatur liegt…
  • Bei Rezensionen werden immer wahlweise angebotenen Modelle gemeinsam beschrieben, also schon mal der „laute Tastenanschlag einer mechanischen Tastatur neben den „flüsterleisen Anschlag“ einer Membran-Tastatur gestellt.
  • Bei den Suchergebnissen werden (fast) immer ein Großteil der Top-10 Positionen von einem mehr oder minder direkt erkennbaren Link zu Amazon belegt. Egal, ob das auch nur annähernd mit dem Produkt zu tun hat, wonach eigentlich gesucht wurde.

Statt einer qualifizierten Suche, Bewertung oder Information, werden „Äpfel mit Birnen“ verglichen. Unterschwellig wird versucht, Apfel-Suchern Birnen anzudrehen. Dabei ist relativ egal, welche Suchmaschine eingesetzt wird. Mittlerweile ist das mehrfache Klicken auf »Weiter« am Ende der Suchergebnisse schon ein fast automatischer Reflex. Denn zunehmend finden sich erst deutlich hinter den suggerierten Top-Treffern auf den nächsten Seiten die wirklich relevanten Treffer. Zumindest, was die Treffer meiner Produkt-Such-Aktionen betrifft. Da rücken sogar so obskure Suchmaschinen wie »million short« in den Fokus, die (angeblich) eine einstellbare Anzahl „Top-Treffer“ ausblenden. Klingt interessant, doch ist das mit dem „ausblenden“ dennoch stets „zu prüfen“. Denn trotz „E-Commerce-Seiten ausblenden“ belegt Amazon in der Suche nach der Wunschtastatur die Plätze 2-6. Und da sind – laut Anzeige – schon einige „Amazon“-Treffer ausgeblendet. Erst mit „Top 100 ausblenden“ wird die Anzeige „Amazon-frei“.

Trotz regelmäßiger Nutzung des Amazon-Angebots wird mir die systematische Infiltrierung der Suchergebnisse mit dem Verweis auf mehr oder minder sinnfreie „Einkaufsmöglichkeiten“ – egal wonach ich suche — zunehmend lästig.

Wenn ich nach Äpfeln frage, will ich nur Äpfel gezeigt bekommen.

Das „Obst“-Bild stammt von Pixabay.