Die Angst des Markus Lanz

Erstellt: 24.09.2021  Lesedauer 2 - 3 Min.

Als „Late-Night-Talker“ arbeitet sich Herr Lanz an allen möglichen Themen ab und zeigt regelmäßig Grenzen seines journalistischen Könnens auf. Antworten außerhalb seines Erwartungsspektrums machen ihn bockig.

Herr Lanz hat gestern Nacht mal wieder zum Großangriff auf SPD und Die Linke geblasen. Ein Norbert Walter-Borjans sitzt einer CDU-Politikerin, einem „Welt“-Journalisten und einem Strategie-Berater gegenüber, der für Herrn Obama unterwegs war. Und Markus Lanz.

Ich habe nur kurz reingezappt.Nach knapp 10 Minuten reichte es mir schon wieder: Für so einen Mist wird also meine Rundfunkbeitrag verbrannt.

  • Hat Herr Lanz was an den Ohren oder weshalb stellt er immer wieder die gleiche Frage, auf die Herr Borjans wiederholt schon geantwortet hatte, dass er darauf keine verbindliche Antwort hat?1
  • Weshalb wird ein seiner Wahrnehmung nach „übler“ Wahlspot von ihm aus der Kiste gezogen, im ZDF ausgestrahlt – wofür er nie gedacht war! – und damit erst auf eine Bühne gehoben, die er vorher nie hatte?

Mir war der neu und es war der einzige Lichtblick in dem von mir beigewohnten Zeitfenster. Zeigte er doch, dass sich Vieles besser auf dem Punkt bringen lässt, wenn einfach mal Klartext geredet wird.

Wer sich da wo hinein verstiegen hat mit seinen Aussagen, sei dahin gestellt. Bemerkenswert ruhig antwortete Herr Borjans einem immer aggressiver und unruhiger werdenden Herrn Lanz, dem dessen Antworten sichtlich völlig gegen den Strich gingen. Antworten, die seine erkennbare Sendungsstrategie bedrohten. Also zog er sie — „eben drum“ — ohne Antworten durch. Im Irrglauben, dass die sich im Laufe eines Wahlspots ändern könnten.

Grenzwertig waren die damit zig-fach implizit vorgetragenen Angriffe auf Herrn Scholz, für den Herr Borjans stellvertretend eine Antwort geben sollte. Was er völlig zurecht verweigerte.

Der „Welt“-Journalist dozierte, es sei ein Tabubruch, das ein Mitarbeiter der Staatskanzlei ob seiner Religion gebranntmarkt würde und es allein darum ginge. Was Quatsch ist2, es war eine von diversen weiteren Aussagen, die geflissentlich ignoriert wurden. Was das Fazit des Spots indirekt zu bestätigten schien, dass sich CDU-Propagandisten mit echten Inhalten schwer tun.

Es war eine bizarre Argumentation zugunsten einer Partei, die mit dem „C“ ein religiöses Bekenntnis im Namen führt. Sich gemäß dieser Logik öffentlich selbst geißelt. Einer Partei, die mit einem „Kopftuchverbot“ Frauen untersagen will3, einem religöses Gebot aus Sure 24 und der Sure 33 zu folgen4. Oder mit einer „Herdprämie“ Frauen in ihrer „angestammte Rolle“ drängen will.

Was los wäre, wenn die SPD in einer politischen Schlüsselposition einen bekennenden „strammen Moslem“ installieren würde, lässt sich nach dieser verkappten CDU-Dauerwahlwerbesendung grob ermessen.

Tenor der Lanz-Sendung:

  • Die CDU darf Antisemiten zur Wahl aufstellen, Rechtsradikale schützen, ein fragwürdiges Frauenbild vor sich her tragen und die Schwesterpartei CSU mit einer Partei koalieren, deren Chef Querdenker-Tendenzen hat.
  • Die SPD muss sich gefälligst erklären, weshalb sie eine pauschale und vorauseilende Vorverurteilung der „Linken“ für denkbare Koalitionsverhandlungen verweigert.

Ein möglicher „Linksrutsch“ löst in Herrn Lanz sichtbare Panik-Attacken aus. Womöglich treibt ihn die Angst um, es könne seiner Dampfplauderer-Sendung wie dereinst dem „ZDF-Magazin“ die Absetzung ereilen, das ebenfalls intensiv gegen Entspannung agitierte.

Nach dem neuerlichen Trauerspiel von gestern erschiene mir auf diesem Sendeplatz das „ZDF Magazin Royale“ erheblich angemessener, dass sich informativer und unterhaltsamer sehr ernsten, der Zukunft zugewandten Themen stellt, wogegen „Markus Lanz“ regelmäßig mit Lagerdenken aus dem „kalten Krieg“ den vermeintlichen Untergang des Abendlandes postuliert.

Für mich wäre „ZDF Magazin Royale“ ein Grund zum wach bleiben, zum gezielt ZDF einschalten. „Markus Lanz“ dagegen wird bei mir zukünftig das Gegenteil auslösen. Ich werde (sofort) abschalten.

Das Bild stammt von Pixabay.


1Die m.E. nach dessen Aussage und Ausstrahlung des Interviews von Herrn Scholz durchaus indirekt beantwortet war: Herr Borjans hat sich vor Herrn Klingbeil gestellt, Herr Scholz hat sich vor einer klaren Antwort gedrückt, weil er damit dem restlichen Entscheidungsgremium in den Rücken gefallen wäre, sich also indirekt davor gestellt. Sein Gesichtausdruck dabei hat – mir – dabei sehr viel erzählt…  

2Der Hinweis war durchaus akzeptabel, über die Form lässt sich definitiv streiten, doch auf einer anderen Ebene.  

3Weil es „Zwang“ sei. Den es sicher gibt. So wie Kinder in christlich-religiösen Familien in die Kirche gezwungen werden oder der bayrische Staat Kinder aller Religionen zwingt, in einem Klassenraum mit Kreuz zu sitzen.  

4… und in katholisch durchtränkten Regionen Frauen ohne Kopftuch der Zugang zur Kirche verweigert wird.