Was die LucaApp noch könnte…

Erstellt: 14.04.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

Die Luca-App soll der Heilsbringer sein. Bei Behörden und Unternehmen herrscht ein unreflektierter Jubel über die scheinbar in Sichtweite gerückte Lösung für ein freieres Leben in Pandemie-Zeiten.

Offenbar ist es uns mittlerweile egal, dass private Unternehmen systematisch Datensammlungen über die Bevölkerung anlegen. Bei Amazon und Facebook wissen wir es und es ist uns egal. Da gehen Behörden offenbar davon aus, dass wir uns zur Pandemie-Bekämpfung bedenkenlos „Daten-Rappern“ anvertrauen. Bemerkenswert positiv äußert sich der Handel. Beim Spiegel wird darüber sinniert, ob ein Luca-App-Zwang den Einkauf beschränken könnte. Genannt wird eine große Möbelhaus-Kette, die Kunden die Luca-App aufzwingen möchte.

Glücklicherweise muss da niemand einkaufen und zwangsweise seine Daten bei der Luca-App abgeben. Dass Handelsketten ein großes Interesse an der Nutzung dieser App haben, könnte bei genauerem Hinsehen noch andere Gründe haben. Damit ließe sich problemlos herausfinden, wie viele Leute da waren, wer davon eingekauft hat, von wo Besucher kommen,… – die Luca-App-Macher sind erwiesenermaßen erfolgreiche Verkäufer: Damit ließe sich ordentlich Geld verdienen.

Vieles am gesamten Konzept wabert im Dunkeln. Es wäre ein Geniestreich, die Behörden für eine App abzukassieren, mit der die Wirtschaft an die Daten der Bevölkerung kommt – natürlich nur gegen „Schutzgebühr“. Die Daten der »persönliche Kontakt- und Besucherhistorie«1, für die sich die App rühmt, müssen nur marginal anderes abgefragt werden, damit beispielsweise eine große Möbelhaus-Kette eine Liste bekommt, wer wann wie lange in welchem Möbelhaus war. Eine Aussage auf der Webseite der Luca-App legt diese „Nutzungsoption“ nah: »Betreiber:innen profitieren von verschiedenen Check-in Möglichkeiten und Einteilungen ihres Standortes.[…]Eingrenzung auf Bereiche und gezielte Kontaktpersonen«1. Wer die Luca-App konsequent nutzt, gibt demnach sein Bewegungsprofil und Einkaufsverhalten preis.

Besonders bizarr: »Deine privaten Treffen können nicht mit dem Gesundheitsamt geteilt werden«1. Gerade die privaten Treffen sind erwiesenermaßen die „Spreader-Events“, weil es dort selten bis nie Hygiene-Konzepte gibt, niemand mit Maske feiert. Böswillige könnten behaupten, das ließe sich nur aufwändig für Dritte verwerten, daher ist es lediglich ein Spaß-Aspekt zur Nutzergewinnung in der „werberelevanten Zielgruppe“. Oder haben selbst die Macher Skrupel, denn spätestens hier gibt es extreme Datenschutz-Probleme? Die gruppendynamische Entwicklung von Freundschaften dürfte interessant sein, wenn sich Einzelne mit der Verweigerung eines QR-Code-Scans aus der Clique ausgrenzen.

Die bisher bekannt gewordenen Mängel dürfte mehr als eine Hacker-Truppe in Position gebracht haben: Ist ein lohnender, gut lokalisierbarer Daten-Pool. Müssen Nutzer doch »mind. eine verifizierte Kontaktinformation (Telefonnummer, E-Mail-Adresse)«1 angeben. Das reicht für eine SMS, das Paket sei da, oder eine E-Mail, man möge sich doch dringend auf einer Seite einloggen, um Viren-Infos zu erhalten. „Aus Sicherheitsgründen“ noch ein paar Daten abgefragt – schon ist man „drin“. Immerhin ist es die Wahrheit: Hat definitiv was mit „Virus“ zu tun…

Das (Original-)Bild stammt von Pixabay.

1Die (kursiv gesetzten) Zitate wurden der Luca-App-Webseite am 14.04.2021 um 8:45 Uhr entnommen. Diese können sich seither geändert haben oder ganz verschwunden sein.