Mal eben nach Norwegen?

Erstellt: 25.03.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

2014 hatte ein „über Ecken Bekannter“ einen Wegweiser fotografiert und mir das Bild geschickt. Die dazu übermittelten Koordinaten „60°19´ 44.4´´ N 6°39´ 35.6´´ E“ waren jedoch nur sehr vage.

Mit Google von oben auf diese Koordinaten betrachtet, erinnere ich mich wieder, weshalb ich damals „irgendwo um diese Koordinaten“ schrieb. Das lässt sich nun konkretisieren – ohne selbst dort gewesen zu sein. Der Test einer alternativen Suchmaschine als solches fiel zwar ernüchtern aus, doch ein Link war interessant. Der warf die gleichen Koordinaten aus, doch die Bilder dazu konnten unmöglich von dort aufgenommen worden sein. Eine erneute Suche im etwas größeren Umfeld zeigte einen konkreten Eintrag für die „Monk Steps“. Mag sein, dass es den schon 2014 gab, als ich nach Anhaltspunkten für den Wegweiser gesucht habe. Doch mir fehlte der Anhaltspunkt „Mönchstreppe“.

„NoSi“ ist offenbar ein Ort, von dem aus es sich gut in die Gegend schauen lässt, ohne selbst eine Attraktion zu sein. Eine Art Katalysator, der „Nutzern“ einen ganz neuen Blick auf die Umgebung eröffnet. Die angebotenen Bilder blicken jedenfalls drumherum, keines davon auf „NoSi“ selbst. Im Gegensatz zu anderen Aussichtspunkten, die der Aussicht die Schau stehlen.
Ist schön da. Passt zu den Gedanken, die mir im Zusammenhang mit der Wortwei.de durch den Kopf gingen.

Selbst ohne die Corona-bedingten Einschränkungen werde ich wohl kaum mal einen „Wochenend-Abstecher dorthin machen. Ein Besuch von Norwegens „NoSi“ kann rein praktisch betrachtet kaum en passant erfolgen. Das muss doch eher sehr konkret geplant sein. Wobei das Planen selbst mittlerweile en passant von Google-Maps völlig emotionslos in ein paar Sekunden erledigt wird:

»[…] Im Kreisverkehr erste Ausfahrt (Røldalsvegen/Rv13) nehmen, rechts abbiegen auf Fv102,nach 400m rechts abbiegen, nach 450m leicht rechts abbiegen. Das Ziel befindet sich auf der Rechten Seite«.

Irgendwie nimmt einem das viel von der Vorfreude und Überraschung. „Früher“ bist du erst einmal losgezogen, um dir Karten aus der Region beim Buchändler zu bestellen. Wenn sie endlich da waren, bist du mit dem Finger die möglichen Routen abgefahren, hast tagelang über den besten Weg nachgedacht und warst richtig „hibbelig“, was dich wohl alles erwarten wird.

Heute sagt dir Google, dass du mit dem Auto 16 - 18 Stunden unterwegs sein wirst, je nach Route, es werden ja gleich mehrere vorgeschlagen. Während wir früher noch gelernt haben, wie mit dem Lineal aus einer Strecke aus der Karte Kilometer werden, steht heute in Erdkunde bei 5-6-Klässlern auf dem Lehrplan:

»[M5.5] mit Google Earth Standorte und Wegstrecken lokalisieren sowie Entfernungen messen«1

Google Earth erzählt direkt, welches Lokal ich da besuchen muss, weil es die meisten Sterne hat und wo ich schlafen muss – klar, wegen der Sterne.

Doch im realen Leben ist Manches ein bisschen komplizierter. Die dafür erforderlichen Fertigkeiten gehen zunehmend verloren. Weshalb heute kaum jemand für das Wetter der nächsten Stunde nach oben schaut und lieber einer App vertraut.


1Aus dem Lehrplan eines Gymnasiums für 2016/2017.