Tschüss @Heise!

Erstellt: 11.02.2021  Lesedauer 2 - 3 Min.

Vor rund zwei Wochen hat der Heise-Verlag entschieden, dass ich für meine Heise-Abos der Weitergabe meiner Daten in „Drittländer“ zustimmen muss. Deshalb habe ich mich gegen Heise entschieden.

Sie willigen ein, dass Ihre Daten „gemäß Art. 49 Abs.1 DSGVO“ an „Drittländer“ übertragen werden.

Das ist die Kurzform dessen, was in zartem Grau in der weißen Box mit deutlich blau hervorgehobenem »Akzeptieren«-Button steht, die aufpöppt, wenn man eine „Heise“-Seite besuchen will. Blöd halt, dass die Zustimmung auch dann erforderlich ist, wenn ich meine (Papier-)Abos bei Heise verwalten oder mit dem kostenpflichtigen „Heise+“-Account auf den Seiten stöbern möchte.

Eine Übertragung in „DSGVO-Drittländer“ war sicher kein Vertragsbestandteil meinerseits. Offenbar ist sich Heise darüber im Klaren, dass sie auf diesem Hintergrund einer fristlosen Kündigung all meiner Abos kaum etwas erwidern können. Das stellt mindestens eine signifikante Vertragsänderung mit außerordentlichem Kündigungsrecht dar. Ob so ein Vertrag im deutschen Verlagswesen überhaupt zulässig ist, werden vielleicht noch verärgertere (Ex-)Abonnenten prüfen lassen.

Wobei sich das erübrigt. Im verwiesenen „Art. 49 Abs.1 DSGVO“ steht in keinem der Punkte a-g ein einziger Grund, der es Heise ermöglichen würde, das durchzusetzen. Während ohne meine Zustimmung keine Vertragserfüllung seitens Heise mehr möglich ist – wenn dort auf „Drittländer-Beteiligung“ Wert gelegt wird.

Wie aus verschiedenen Richtungen vernehmbar ist, stoßen die neuen „Geschäftsbedingungen“ von Heise anderen ebenfalls auf. Gerüchteweise ist von knapp 40% Abo-Kündigungen aufgrund dieser Angebotsänderung seit Anfang Februar die Rede. Also wohl gleichermaßen 40% weniger Besucher der Seiten. Neben den Abo-Einnahmen brechen für die gleiche Anzahl Leute damit zusätzlich die Werbeeinnahmen auf den Seiten weg.

Früher waren „Nutten und Koks“ erforderlich, um einen gut funktionierenden Laden an den Abgrund zu bringen. Doch selbst da sind wir im 21. Jahrhunder politisch korrekt: Statt selbst ficken, sollen die Kunden freiwillig die Hose runter lassen und sich ficken lassen. Womit sogar freigeistig eingestellten Menschen klar werden dürfte, welches Dilemma der Prostitution anhaftet: „Freiwillig“ kann sehr relativ sein.

Objektiv gibt es für Heise keine Notwendigkeit, auf der Webseite angebotene Werbung von „Drittland-Anbietern“ verwalten zu lassen. Im Grundsatz ist völlig in Ordnung, dass ein redaktionelles Angebot mit Werbung finanziert wird. Doch das muss keineswegs mittels Aufhebung aller gerade mühsam errungenen Schutzschranken für persönliche Daten erfolgen. Pikant ist zweifelos, dass ausgerechnet Heise beim Streiten um diese Rechte im IT-Bereich eine Schlüsselrolle einnahm.

Für mich endet damit eine jahrzehntelange Verlagstreue:
Mein erstes Abo bei Heise habe ich Anfang der 1980er Jahre abgeschlossen. Seither habe ich einiges erduldet, doch diese zwangsweise „Kundendurchleuchtung“ geht zu weit.


Es war keine spontane Entscheidung
Ich hatte am 1. Februar 2021 per E-Mail angefragt, ob das Dilemma – Datenweitergabe, um an meine Abos zu kommen – beseitigt würde und dafür eine Frist bis gestern, 10.02.2021 gesetzt. Eine Antwort blieb der Heise-Verlag schuldig – was irgendwie doch eine ist…
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