Verkürzte Halbwertszeit

Erstellt: 14.03.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

Was passiert eigentlich mit einem Auto, bei dem das Betriebssystem des Bordcomputers nach zwei Jahren keine Updates mehr bekommt?

Von Mobiltelefonen kennen wir das: Nach zwei Jahren wird das „Super-Geil-High-End-Bestes-aller-Zeiten-Handy“ aus Sicht des Herstellers Elektronik-Schrott, für den keine Updates mehr angeboten werden. Wir können/sollen uns halt ein neues jetzt „Super-Geil-High-End-Bestes-aller-Zeiten-Handy“ kaufen.

Ab Januar 2022 wird zwar ein Gesetz — genauer: eine der vielen überfälligen EU-Richtlinien in Deutschland — in Kraft treten, das Hersteller dazu verpflichtet, Updates für Geräte mit Software anzubieten. Klingt erst mal nach längst überfällig, hat allerdings einen Haken: Das Gesetz lässt offen, wie lange Hersteller das tun müssen.

Eine konkrete Vorgabe wurde laut Ministerium „vermieden“, weil es ja eine „dyna­mische tech­nische Entwicklung“ gäbe. Was das mit der Pflicht zur Bereitstellung von Updates für ältere Geräte zu tun hat – unklar.

Dass sich „alte Gurken“ mit aktueller Software bestücken und deren Lebenszyklen damit entsprechend verlängern lassen, zeigen exemplarisch Windows und Linux. Zweifellos laufen aktuelle Betriebssysteme auf aktueller Hardware „fluffiger“, doch auf „alten“ Rechnern sind die „alten“ Betriebssysteme im Vergleich zu einem darauf installierten neueren, eben „alt“.

Denn der Sinn von Updates ist primär „Sicherheit und Kompatibilität“. Selbst aus dem neuesten Mobiltelefon wird nach einem Software-Update kein Flugzeug. Aber aus einem Auto womöglich ein wirklich großer Haufen Elektronik-Schrott, wenn der Hersteller keine Lust mehr hat, für den drei Jahre alten „Super-Geil-High-End-Bester-Roadster-aller-Zeiten“ keine Software-Update anzubieten, weil der wie Blei im Regal lag, die Stückzahlen unterirdisch und wegen Fehlplanung Updates ein Albtraum sind.

Vor allem aber die Kunden nach Updates kostenlose Werkstatt-Termine brauchen, weil der Wagen beispielsweise beim Schalten in den dritten Gang „aus Sicher­heits­gründen“ eine Vollbremsung ausführt oder andere interessante Sachen macht. Dann ist die „Update-Pflicht“ eben nach drei Jahren rum – so einfach ist das. Denn es gibt eine „dynamische technische Entwicklung“, die für einen neuen „Super-Geil-High-End-Bester-Roadster-aller-Zeiten“ spricht.

Für Besitzer des jetzt „Weniger-Geil-Veralteter-Problem-Roadster“ gibt es neben „keine Updates“ auch „keine Interessenten“, die so ein Teil kaufen wollen. Denn im Gegensatz zu einem alten Mobiltelefon, das für Bastler und „Frickeler“ durchaus interessant ist, weil die keinen TÜV überstehen müssen, kostet sogar die Entsorgung nochmal extra. Kein Schrotthändler braucht ein Ersatzteillager für ein Auto, für das keiner Ersatzteile sucht.

Mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck und Wirtschaftlichkeit bezogen auf die verlässlich mögliche Gebrauchsdauer ist dagegen sogar das „Zweitakt-Stinkerle“ Trabbi außerordentlich konkurrenzfähig.

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