Wenn die Vergangenheit anklopft

Erstellt: 21.06.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

»Bist Du der Norbert Simon, der damals an der Entwicklung von Tempus Word NG beteiligt war?«

So begann eine E-Mail, die vor etwas über einer Woche in meinem E-Mail-Postfach lag. Das war definitiv unerwartet, den letzten Beitrag auf der Seite des Tempus-Word-Projekts hatte ich 2013 verfasst. Dass nun jemand tatsächlich anfragte, ob es noch möglich sei, eine Lizenz für das Programm zu erhalten, weil damit ein im letzten Jahrtausend begonnenes Buch zu Ende geführt werden sollte, war ein kleines Dé­jà-vu. Es setzte ein Räderwerk in Bewegung, von dem alle Beteiligten fest überzeugt waren, dass es für immer still steht.

Nunja. Objektiv bleiben die Räder stehen. Es wird kein weiteres Revival geben.

Doch auf der Webseite gab es noch eine Bestellmöglichkeit, über die sogar sporadische Bestellungen herein kamen. Das Geld wurde zurückgezahlt, eine Lizenz dazu geschenkt. So toll Tempus Word funktional noch immer ist, so ist es doch ein Produkt, dass seit rund 20 Jahren keine Produktpflege erfährt und von dessen Benutzung aufgrund der Rahmenbedingungen objektiv abgeraten werden muss. Dafür Geld nehmen, wäre schlecht für das eigene Karma.

Doch der Anfragende hatte neben der Mail an mich in dem noch immer existierenden und tatsächlich frequentierten Atari-Forum einen Betrag abgesetzt, in dessen Verlauf die Frage auftauchte »Is it still possible to buy Tempus Word 5.40 ?«. Das war ein konkreter Anlass, ein wenig aufzuräumen und abzustauben.

Mit einem Update der Webseite wurden primär die Bestelloptionen entfernt. Weil die alten Seiten noch handkodiertes HTML war, wurden die Inhalte kurzerhand mit OffSiteEdit neu generiert und mit einigen Informationen ergänzt. Das ging signifikant schneller (und moderner), als es mit Nacharbeiten der bestehenden Seiten möglich gewesen wäre. Zusätzlich wurden Altlasten entsorgt, wie beispielsweise Flash-Anleitungen, die sowieso keiner mehr ansehen kann, weil der Player dafür nur noch auf nostalgischen Betriebssystemen verfügbar ist.

Weil wir keine Einladung für kostenlose Bestellungen oder eine „freie“ Version anbieten wollen und das Bearbeiten der Webseite, sowie das erstellen der Lizenzen doch mit einem gewissen Aufwand verbunden war und ist, gibt es die „Hemmschwelle Spende“. So vermeiden wir Anfragen von Sammlern und Jägern, die alles greifen, was es kostenlos gibt. Egal, ob es überhaupt verwenbar ist.

Wenngleich es einen „Anflug von Sinnlosigkeit“ hatte, war es doch ein schöner nostalgischer Ausflug in meine IT-Anfänge. Und ein Grund, mal wieder mit dem Entwickler zu telefonieren, was sehr real und im »Jetzt« stattfand. Keine Nostalgie, sondern realistisch, flankiert von der Erkenntnis, dass wir noch immer „miteinander können“. Alleine dafür hat es sich schon gelohnt.