Wenn ungrade grade sein soll

Erstellt: 07.12.2021  Lesedauer 2 - 3 Min.

Herr Scholz hat seine „Truppe“ beieinander. Wäre ein Anlass für Inhalte, doch medial interessanter sind „Karl L.“ und ob gleich viele Männlein und Weiblein drin sind.

Das Thema „Karl L.“ lässt sich als Einknicken vor den Umfragen deuten, könnte allerdings durchaus auch dem unbestreitbaren Fakt „Kompetenz“ geschuldet sein. Nüchtern betrachtet ist das Gesundheitsministerium so tief im Tal, dass „schlechter machen“ ziemlich unmöglich scheint. Da könnte jemand mit themennahem Hintergrund wie Herr Lauterbach allenfalls Schockstarre bei denen im Ministerium auslösen, für die „da sein“ bisher hinreichende Qualifikation war. Ob er es besser kann, werden wir sehen. Zumindest inhaltlich hat der Mann einen erkennbaren Plan – was ihn vom Vorgänger signifikant unterscheidet. Der bestach primär durch Unstetigkeit und fehlendes Erinnerungsvermögen daran.

Das mag ja manche Berichterstatter überraschen, dass da mal jemand einen Job bekommt, von dem er aus dem Stand Ahnung hat. Das ist im Polit-Betrieb zweifellos eine seltene Ausnahme. Mit Blick auf das zentrale Thema seines Ministeriums erscheint es zumindest unbedingt sinnvoll und zweckmäßig, keine weitere Zeit mehr zu verplempern. Wenngleich da erst mal reichlich Scherben zusammengekehrt werden müssen, die der Vorgänger hinterlassen hat und seine Partei schon vorauseilend den Nachfolgern in die Schuhe schiebt. Insbesondere die Parteifreunde schreien am lautesten, die in Ihrer Rolle als Ministerpräsidenten oder in anderen prominenten Positionen maßgeblich am aktuellen Elend beteiligt waren (und sind).

Wo mir gewisse Zweifel an Grundfähigkeiten der Journalie kommen, sind deren Rechenkünste. Wenn es insgesamt 17 Jobs in der Regierung gibt – 16 Minister und einen Kanzler – wie soll es da bitte gleich viele von jeder Sorte geben? 17 ist eine Primzahl. Die zeichnen sich unter andrem dadurch aus, dass sie nur durch sich selbst und 1 teilbar ist. „1“. Jungs und Mädchen sind „2“. Klingelt da was?

Wer jetzt argumentiert, dass es im Zweifel mehr Mädchen als Jungs geben müsste, wie es beispielsweise die Grünen propagieren, hätte mathematisch das gleiche Problem. Wobei die Definition von „Sorte“ genau genommen noch geklärt werden muss: Warum ist da nur ein Türkischstämmiger dabei, aber niemand mit afro- oder noch exotischerem ethnischen Hintergrund? Sind genug Schwule dabei, was ist mit denen, die im Pass „Divers“ stehen haben?

Vor lauter Gerechtigkeitsgerangel zwischen Zipfel- und Non-Zipfelträger:innen sind die Sachfragen beängstigend nachrangig. Zumindest finde ich kaum was davon in der Berichterstattung. Ist offenbar ungeil, weil es keine Quote bringt. Lediglich Karl spaltet sauber in zwei Lager: „Der kanns“ und „der wird scheitern“. Ob sich in diesen Gruppen die Mädels und Jungs gleichmäßig verteilen, interessiert dabei keinen.

Was vernünftig ist. Das sollte uns nie interessieren, sondern grundsätzlich, ob der Mensch in dieser Position die Aufgabe meistern kann. Egal ob mit oder ohne Zipfel, schwul oder hetero, Marathonläufer oder Rollstuhlfahrer, Urgermane oder frisch eingebürgert, weiß, rot, braun, gelb, Jude, Christ, Rohingya, Moslem, Gottloser, …, .
Wenn alle gleich sind, ist ungrade oder gerade völlig egal.

Das Bild ist ein Extrakt aus einem Bild von Pixabay.