Wessen Wohlstand sichern?

Erstellt: 20.09.2021  Lesedauer 2 - 3 Min.

Laschet & Co. warnen wie in guten alten Zeiten von der „roten Gefahr“, der Wohlstand müsse gesichert werden. Doch für wen und – wofür?

Die überbordenden Politik-Sendungen habe ich mir durchweg gespart. Wenn ARD und ZDF „Gleichschaltung“ praktizieren, offenbart das einen Widerspruch zur vermeintlichen „Vielfalt“ des Angebots. Es zeugt vielmehr von der „Einfalt“, das Zusehende sich kaum in die Gefilde der Privatsender wagen würden. Weil deren Alternativ-Angebot ebenfalls wenig einfallsreich ist, würde mich brennend interessieren, welche Zugriffszahlen bei den Polit-Talks der letzten Wochen die Streaming-Dienste hatten.

Was mir persönlich in Diskussionsausschnitten am meisten den Hals schwellen lässt, ist das CDU-Mantra vom „Wohlstand sichern“. Wer sich die schlichte Grafik bei Statistika ansieht, wird sich womöglich fragen, warum der Reichtum schon bei etwas über 3.000 € Netto im Monat beginnt. Was wohl daran liegt, dass verdammt viele deutlich weniger, aber einige Wenige brutal mehr verdienen. Das mittelt sich aus.

Denn ab 3.200 € gehört der deutsche Bürger zu den oberen 10 %. Was im Umkehrschluss bedeutet: 90% haben vom gesicherten Wohlstand wenig. Oder beginnt der beim Harz IV-Satz? Mit dem Wohlstands-Rechner kann sich jeder individuell aufgeilen oder runter ziehen. Doch egal wie es gedreht wird: Irgendwie haben immer verdammt viele vergleichsweise wenig. Das „Armutsrisiko“ liegt bei 17% der Gesamtbevölkerung – in einem der reichten Länder der Erde.

Wobei „Armut“ eine Definitionsfrage ist. Wer in Deutschland „arm“ ist, könnte mit seinem Monatsgehalt in vielen Ländern der Erde als Krösus auftreten. Was allerdings viel spannender ist:

Die Armutsgrenzen sind seit 2005 um knapp 46 Prozent gestiegen.
Zur Erinnerung: 2005 begann die „Merkel-Ära“ ausschließlich CDU-geführter Regierungen.

Die Zahlen machen deutlich, wie die CDU „Wohlstand sichert“: sie nimmt es von den Schwächeren. Was dem von der Kirche gelebten Verständnis von „christlich“ folgt: oben weltliches Wohlergehen, unten die Hoffnung. Auf was auch immer.

Mit der soliden Ignoranz der CDU vor der Lebensrealität der Mehrheit und den mit ihrer Politik verknüpften Zukunftsaussichten dürfte das absehbar egal werden. Was nützt mir Reichtum, wenn es ständig stürmt, überschwemmt, brennt, .. – alles Sachen, bei denen „Wohlstand“ am meisten gefährdet ist: Wer viel hat und ignorant ist, kann viel verlieren. Wie die Ereignisse im Ahrtal zeigen2.

Daher muss die Sicherung des Gemeinwohls vordringlich sein. Je mehr Leuten es zuverlässig und vor allem auf absehbare Zeit, also weit länger als bis zur nächsten Wahl, „gut geht“, desto relativer wird „Reichtum“, weil er für ein „schönes Leben“ weniger Bedeutung hat. Wäre die CDU wirklich „christlich“, wäre Matthäus 23:111 ihr Slogan: »Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.«

Doch was die CDU jahrzehntelang praktiziert hat und so weiter machen will, steht dahinter: »Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen!«

Statt „mehr Wohlstand für Wenige“ muss „Glück für Alle“ das zentrale politische Ziel sein.

Was kein Appell zur „Gleichmacherei“ ist. Ein bisschen zusammenrücken würde schon sehr viel bewirken. Doch bei CDU/CSU verkommt die Republik zunehmend zur Geldmaschine für Privilegierte.

Das Bild stammt von Pixabay.

1https://bibeltext.com/matthew/23-12.htm "Bibeltext.com"  

2Die Ereignisse sind das Ergebnis jahrzehntelanger, ignoranter Umwelt-Politik – die betroffenen Menschen sind die Opfer davon.