Wird Lindner es wieder verkacken?

Erstellt: 04.10.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

Die Grünen und die FDP führen SPD und CDU am Nasenring herum. Dabei versprühen sie einerseits Einigkeit, doch gleichzeitig betonen sie „unverrückbare“ Grenzen.

Die FDP lässt verlauten, mit ihr gäbe es keine Steuererhöhungen, dieses Wahlversprechen werde „auf jeden Fall“ gehalten. Sie öffnet sich damit vorauseilend die Flügeltüren zur Flucht aus der Verantwortung.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter verkündet, das seit Jahren vor ihnen hergetragen Mantra „Tempo 130 auf Autobahnen“ sei keine Bedingung. Gleichzeitig planen die Grünen eine Mitgliederabstimmung über den Koalitionsvertrag. Das ist vergleichbar mit der Frage an einen Alkoholiker, was er von Alkohol-Entzug hält.

Grüne und SPD haben eine gute gemeinsame Wellenlänge, während die FDP mit beiden erkennbare Schwierigkeiten hat. Dem anderen Lager pinkelt Herr Lindner an die Tür, indem er Zweifel am Regierungswillen der CDU äußert. Womit er seine Truppe zwischen den Zeilen womöglich ein zweites Mal auf „lieber nicht, als falsch“ einstimmen will. Wobei er weiterhin die Erläuterung schuldig bleibt, was er unter „falsch regieren“ versteht.

Eine Demokratie ohne gewählte Regierung – das ist falsch.
Eine Regierung die Fehler macht, versucht es wenigstens.

Herr Lindner hat anscheinend Angst vor der Späne, die beim Hobeln fällt und ihm dabei womöglich die Schuhe einstaubt. Doch zum Arbeiten gehört unabdingbar, dass gelegentlich der Schweiß läuft und auch mal „Drecksarbeit“ erledigt werden muss.

Mit so einem Getöse wird er Herrn Habeck womöglich noch die Tour vermasseln, der meinte, für das Verpassen einer Regierungsbeteiligung müsse man sich jetzt schon „komplett dämlich“ anstellen. Allerdings sprach er da nur von seiner Partei.

Wenn „die Kleinen“ noch länger herumzicken, könnte das passieren, was momentan wahrscheinlich niemand auf dem Plan hat: SPD und CDU könnten doch wieder miteinander reden. Mussten sie das letzte Mal notgedrungen, nachdem „der Christian“ regieren Scheiße fand. Beide konnten damit ihre Pfründe retten, vom Wahlergebnis her steht eine überwältigende Bevölkerungsmehrheit hinter dem Konzept „weiter so“.

Ganz nebenbei würden sie „den Kleinen“ zeigen, dass sie primär „Mehrheitsbeschaffer“ und von einer vor sich her getragenen Führerschaft in einer Koalition weit entfernt sind.

Und Herr Lindner hätte erneut den Beweis angetreten, dass er zwar rhetorisch bemerkenswert, aber wenn es darauf ankommt eine Null ist.

Ich habe bewusst augelassen, dass alle Parteien im Vorfeld „rote Linien“ gezogen haben, bei denen es nach Wahlen dem Anschein nach schade um die Farbe ist.


Das Bild basiert auf dem bei Wikipedia angebotenen, erweitert um eine Illustration von Pixabay.