Wortklauberei ≠ Politisch korrekt

Erstellt: 11.08.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

Eine Frau ist tot, weil ihre Brüder in ihrem Lebenswandel einen Verstoß gegen deren Lebensauffassung (für Frauen…) sahen. Diskutiert wird über die Begrifflichkeit.

Es sei „empörend“ eine solche Tat als »Ehrenmord« zu bezeichnen. Das findet sich wörtlich oder zwischen den Zeilen bei einigen Kommentierenden. Was dabei aus dem Fokus gerät: Das Empörende ist der Mord. Das mit dem (vermeintlichen) Motiv zu kombinieren, hilft bei der schnellen Einordnung.

Das unter dem Sammelbegriff „Femizid“1 zu verschleiern – das ist empörend. Es relativiert einen sehr niedrigen Beweggrund für die Tötung eines Menschen.

Eifersucht, Gier, Neid – das macht im Ergebnis für das Opfer keinen Unterschied. Doch lassen davon getriebene Tötungen sich – zumindest aus meiner Sicht – noch leidlich als völlige emotionale oder moralische Entgleisung begreifen. Einen Menschen töten, weil seine Wertvorstellungen mich vermeintlich schlecht aussehen lassen, ist dagegen ausschließlich selbstsüchtig. Daran ändert das darüber gestülpte moralische Mäntelchen einer religiösen Glaubensauffassung kein Jota.

Es ist ein qualitativer Unterschied, der durchaus zum Ausdruck gebracht werden muss. Der Mord wird mit „Ehre“ gerechtfertigt, also ist es ein „Ehrenmord“ – wenngleich es eine zutiefst unehrenhafte Tat ist – zumindest für alle, die eine Erziehung genießen durften, die es ihnen erlaubt, die freie Entfaltung jedes Individuums zu respektieren.

Das muss in der Diskussion gut sichtbar stets betont werden: Ein „Ehrenmord“ ist kein Bestandteil unseres Handelns, unseres Denkens, unserer Wertvorstellung. Das muss jedem, der hier lebt, unmissverständlich und deutlich klar gemacht werden.

Jedem der glaubt, dass ein „Ehrenmord“ seine Ehre wieder herstellen könnte, muss klar sein: Es wird dich ins Elend stürzen, die Sympathien gelten dem Opfer, für uns bist du der Unehrenhafte und dementsprechend wirst du von uns behandelt.

Das Wort „Ehre“ mag in diesem Kontext unpassend erscheinen. Doch die Zusammenführung „Ehrenmord“ macht die Perversion deutlich, die hinter so einer Tat steht. Daher ist der Gebrauch dieser Tatbeschreibung keineswegs „empörend“. Bestenfalls „verstörend“ – doch genau das soll es sein. Es muss uns verstören, dass unter uns Menschen leben, die für einen Verstoß gegen ihre Vorstellung von „angemessener Lebensweise“ töten.

Wer das „empörend“ findet, wird wohl demnächst nach einem „schöneren“ Wort für Kinderschänder oder Vergewaltiger suchen. Mit „N-Wort“ den „Neger“ verschleiern ist ebenfalls nur Schönfärberei. Hauptsache „politisch korrekt“, watteweich und maximal weit weg von der Realität.

Doch die ist hart und bleibt das auch, selbst wenn sie mit verschämten Verschleierungen in der Sprache ihrer Kanten beraubt werden soll. Das macht lediglich den Aufschlag in der Wirklichkeit um so härter. Was viele in ihren Sprachblasen erkennbar überfordert, wenn ihnen „das Tatsächliche“ begegnet. Schöne Worte bieten dafür keinen Ausweg.

Quellen (u.a.):

Das Bild stammt von Pixabay.

1„Ehrenmorde“ sind keine Tötungen aufgrund des Geschlechts, sondern Gewalttaten, mit denen Menschen ihre Ehre durch die Tötung eines anderen „wieder herstellen“ wollen. Was zumindest für aufgeklärt Erzogene ein absurd bizarrer Ansatz von „Ehre“ ist.