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Das große „ß“

Erstellt: 10.03.2022 Lesedauer 1 - 2 Min.

Heute habe ich etwas über unser Alphabet gelernt. Es gibt ein „großes ß“. Wer jetzt denkt, das sei doch klar, „SS“ halt, irrt.

🔍 Sieht gleich aus, ist aber etwas anderes…
Mein jüngster Bruder hat mich auf eine nette Fähigkeit von OpenOffice hingewiesen. Das kann Buchstaben in Unicode und Unicode in Buchstaben wandeln. Dabei trat ein seltsamer Effekt auf, der mich irritierte (s. Animation rechts).

Nach einigem Hin und Her hat mich mein geschätzter Freund Andreas auf die Feinheiten der deutschen Sprache hingewiesen. Wobei „Feinheiten“ und „Amtliches Regelwerk“ für mich ein Paradoxon sind. Da wird festgestellt, dass es bei Eigennamen in Pässen ein Problem sei, wenn „ß“ als „SS“ geschrieben würde.

Womit der Narzissmus nun offiziell in die Sprache eingezogen ist. Wenn es jemanden stört, dass ein „ß“ in seinem Pass mit „SS“ geschrieben wird, wäre ich gern Mäuschen, was der oder diejenige für ein Fass aufmacht, weil der thailändische Beamte diesen komischen Kringel nirgends auf der Tastatur findet, mit der ein Reisedokument ausgefüllt werden muss. Und die „reizende“ Person daran aufgrund der komischen Tastatur absehbar ebenso zerschellt.

Oder wenn Dokumente dieser Menschen, deren generisch erzeugter Dateiname sich aus dem Namen des Antragstellers bildet, auf Computer-Systemen ins Nirwana verschwinden, weil das Dateisystem keine Lust auf deutsche Umlaute und Sonderzeichen hat.

Der oben gezeigte Effekt löst sich vergleichsweise banal auf. »1e9e« ist das „große ẞ“, »00df« das „kleine ß“ in der Unicode-Tabelle – ungeachtet der Tatsache, dass sie ziemlich ähnlich aussehen (genau hinsehen: ß≠ẞ), je nach Schriftart durchaus auch „gleich“. Die Darstellung bestimmen Schriftdesigner, die z.B. eine wählen können, die wie „SS“ aussieht.

Spätestens da könnten Genervte mit „ß“ im Namen eine generelle Umstellung ihrer Namensschreibweise auf „ss“ erwägen. Soweit ihm oder ihr das vorher und auch jetzt letztendlich völlig egal ist.

Dank „amtlichem Regelwerk“ kann zumindest keiner mehr auf „SS“ bei Großschreibung insistieren. Ob das Betroffene glücklich macht, wird uns womöglich eine weitere „amtliche Pressemitteilung“ verraten, die »einzelne Wortschreibungen an den beobachteten Schreibgebrauch« anpasst.

Auf dieser Grundlage kann die Abitur-Mathe-Aufgabe zwei korrekte Lösungen haben, je nach dem, ob sich „technisch“ oder „optisch“ gelöst wird.