Cookiefrei!
Das große „ß“←▼→Billiger als eine Tankfüllung
gesellschaft,gedanken,politik

Definitionsfragen

Erstellt: 14.03.2022 Lesedauer 2 - 3 Min.

Flüchtende aus Syrien sind „Flüchtlinge“, aus der Ukraine „Binnenflüchtlinge“. „Binnen“ ändert alles: Das ist es vor der Haustür.

🔍 Der schmale Grat zwischen Selbstschutz und Provokation
Wenn die deutsche Regierung behauptet, Kriegswaffen-Exporte in Krisengebiete wäre keine Option, müsste den Politikern eigentlich die Schamröte aus den Ohren tropfen. Es hängt zwar keiner an die große Glocke; doch Waffenexporte sind insbesondere in Krisengebiete besonders lukrativ. Im Gegensatz zu friedlichen Gebieten gibt es dort nämlich „ständigen Bedarf“.

So stehen Länder in den Top-Ten der Waffenexporte, bei denen die Definition von „kein Konfliktgebiet“ genau das ist: eine Definition. Die hängt von den darin eingehenden Faktoren ab, in den meisten Fällen dürfte der Aspekt „Geld“ ein entscheidender sein. Immerhin geht es um deutsche Arbeitsplätze.

Bemerkenswert, wie schnell sich da Ansichten ändern können. Während Herr Nouripour noch im Januar gegenüber „Welt Online“ zu Waffenexporten betonte:

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass die derzeitige Bundesregierung die Genehmigungen in dieser Form erteilt hätte.« und »Die Entscheidung ist bedauerlich und hat auch nichts mit dem Geist des Koalitionsvertrages zu tun«
Quelle: ZeitOnline, 19.01.2022

wird mit ihm als Grünen-Chef bei Lieferungen in die Ukraine ordentlich Druck gemacht. Was durchaus im Einklang mit der Definition für Waffenlieferungen steht: Die Ukraine ist kein Krisen-, sondern ein Kriegs-Gebiet.

Fakt ist: Niemand kauft Kriegsgerät, damit es in großen Hallen weg schimmelt. Von der Bundeswehr mal abgesehen, wobei die bedauerliches Opfer derart kruder Annahmen ist. Wenn dann noch ein „Forschungsdirektor“ raus haut

»Es geht gar nicht darum, sie nur vom Himmel zu holen, sondern auch klarzumachen, dass sie den Luftraum möglicherweise nicht ungefährdet nutzen können.«
Quelle: BR24 am 03.03.2022

vermittelt sich der Eindruck, es könnte sich lediglich um die Verklappung von Altlasten handeln. Demnach könnten wir ranzige Lippenstifte liefern, damit sich Zivilisten damit anmalen. Möglicherweise werden geschminkte Zivilisten weniger beschossen.

Dass nun ausgerechnet die Parteien, die am vehementesten gegen Waffenexporte und für Abrüstung eintraten, diesen Elan in eine 180°-Drehung mitnehmen, vermittelt bei Politikern häufig eine fragwürdige Elastizität: Wer sich ohne Umfallen und irgendwo festhalten Bedarfsweise am weitesten nach links oder rechts lehnen kann, gewinnt.

Wobei auch „Umfallen“ eine Frage der Definition ist. Aufgrund von Erkenntnisgewinn angepasste Standpunkte lassen sich zwar so deuten, doch im Ergebnis ist es etwas völlig anderes. Was sich jedoch erst mit etwas zeitlichem Abstand erkennen lässt.

Aktuell lässt der zeitlichen Abstand, sowie des gewählten Zeitfensters Herrn Nouripour heute schlecht aussehen. Bleibt abzuwarten, wie das in ein paar Monaten oder Jahren – abhängig von den dann geltenden Definitionen für „richtig“ und „falsch“ – gewertet wird.

Ich beschäftige mich gerade sehr intensiv mit einigen meiner Definitionen von „falsch“ und „richtig“:

Krieg war, ist und bleibt falsch. Sehr lang war das „ganz wo anders“. Die Sicht darauf verschiebt sich, wenn er an die eigene Haustür klopft.

Das Bild stammt von Pixabay.