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Geschichtsverweigerung

Erstellt: 23.02.2022 Lesedauer 2 - 2 Min.

Herr Putin begründet sein Verhalten „historisch“. Was es ist, allerdings anders, als er es verstanden haben will. Es ist eine Frage der Interpretation.

🔍 Getrieben von göttlichem Sendungsbewusstsein?
»Die Ukraine gehörte schon immer zu Russland und habe keine eigene Geschichte«. Das ist das Kondensat seiner Rede vom 21.02.2022. Was manche als „Putins Märchenstunde“ abtun (ein dennoch lesenswerter Artikel!) hat eine konkrete Wahrheit: Da will jemand Fakten schaffen. Was bereits geschehen ist.

Die im Westen kolportierte „russische Seele“ erweist sich womöglich als fahrlässig unterschätzte Größe am Verhandlungstisch. Der wird zwar immer größer, doch dient das primär dem Abstand zwischen den Verhandelnden. »An einen Tisch setzen« bekommt damit sinnbildlich den Zweck, jemand anderes kontrolliert auf Abstand zu halten.

Neu an der Sache ist, dass Herr Putin einer der wenigen Gestrigen ist, der mit seiner Sicht aktiv am Rad dreht. Gerade in Deutschland hatten wir da bisher großes Verständnis, war das politische Festhalten an verflossenen Ländereien doch noch bis vor Kurzem staatlich verordnete Geschichtsverweigerung. Offiziell transportiert in den Schulatlanten.

Wegen der Detailverliebtheit übersehen Großmacht-Süchtige bemerkenswert durchgängig das „große Ganze“, nämlich wie es typischerweise endet. Doch wem die historisch zig-fach dokumentierten Kosten für den Weg dorthin egal sind – Tote, Verwüstung, Elend, Leid, Flucht, Vertreibung, …, – dem dürfte das ebenfalls egal sein. Da geht es um den eigenen Namen als Fußnote der Geschichte. Was trotz der eher unerfreulichen Begleitumstände offenbar für überraschend viele Menschen eine unerklärliche Faszination ausübt.

„Dank AfD“ ist bei uns der Anteil in der Bevölkerung bezifferbar, die sich in die „alte Zeit“ zurück wünscht. Die Wahl eines Herrn Merz als CDU-Chef zeigt, dass dieser Wunsch in der von der CDU selbst definierten „Mitte der Gesellschaft“ angekommen scheint. Der Trend zum Nationalismus ist ein allgemeiner, keineswegs eine Ausnahme, wie sie bei Putin unterstellt wird.

Manches war für sich allein betrachtet „früher“ wahrscheinlich tatsächlich „besser“. In den restlichen Kontext gestellt relativiert sich das jedoch oder muss aus heutiger Sicht in Frage gestellt werden. Für „das Gute daran“ wurde an anderer Stelle immer ein Preis bezahlt.

Maßgeblich ist die Ausgewogenheit der Lebensverhältnisse für alle. Doch darum geht es bei individueller geschichtlicher Einordnung ausgewählter Details nie. Weshalb sich Geschichte wiederholt. Mit mehr oder weniger dramatischen Konsequenzen.

Im konkreten Fall sitzen alte Männer an roten Knöpfen, die äußerst dramatische Konsequenzen auslösen können. Und sie sind von einen ausgeprägten, hegemonialen Nationalismus getrieben.

Ihr „es in der Hand Habenden“: Lest bitte auch die Teile im Geschichtsbuch, die den Niedergang und das Scheitern aller Großmachtsansprüche dokumentieren.

Das (Ausgangs-)Bild stammt von Pixabay.