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Pazifismus ist relativ

Erstellt: 17.04.2022 Lesedauer 1 - 2 Min.

„Ostermarschierer“ fordern Frieden. Das ist völlig in Ordnung und gut. Doch bei aller Sympathie dafür nervt mich die damit verbundene frivole Heuchelei.

🔍 Hilft es ihm, wenn alle um ihn herum wehrlos sind?
Wie passt es zusammen, dass die selben Gruppierungen zur Teilnahme an Friedensmärschen aufrufen, die den Stellenabbau in Firmen beklagen, die Kriegsgerät bauen?

Ein weiteres Verständnis-Probleme habe ich bei Menschen, die »Keine Waffen liefern!« auf Kartons vor sich her tragen und nach der Demo zum Aufwärmen nach Hause eilen, das Thermostat hochdrehen und es sich mit russischem Gas schön muckelig machen.

Es würde mich brennend interessieren, was die Selben auf die Kartons schreiben, wenn sie drei Wochen lang unter Beschuss im Keller halb verdurstet, erfroren und verhungert sehen, wie die Aggressoren vor der Kellertür sich die Schenkel vor Lachen blutig klatschen, nachdem sie die Schilder vom Ostermarsch entdeckt haben. Oder wenn Mann, Mutter, Frau, Kind, Oma, Opa, Nachbarn tot auf der Straße liegen, die unbewaffnet, teilweise sogar mit erhobenen Händen nur um etwas zu Essen oder eine Flasche Wasser anstehen oder ihre Liebsten aus dem Kriegsgebiet hinaus bringen wollten.

Mit vollem Kühlschrank im Warmen sitzend ist die Welt friedvoll und in Ordnung. Den Wunsch, dass es allen Menschen gut geht, teile ich zwar voll und ganz. Doch das mit der anderen Backe hinhalten stößt an Grenzen, wenn statt einer Ohrfeige die Frau vor den Augen des Mannes wiederholt vergewaltigt und anschließend der Mann vor den Augen der Frau totgeprügelt oder erschossen wird.

Lässt sich das mit Pappschildern aufhalten?

Gewalt ist Scheiße, Krieg ist ein großer Haufen Scheiße. Doch es ist ein signifikanter Unterschied, ob ein kleines Kind einem besoffenen Kerl die Wange hinhalten soll oder ein nüchterner, körperlich ebenbürtigen Mann. Wer „keine Waffen liefern“ auf Pappkartons schreibt, hatte eine erfreulich glückliche Kindheit, die allen Kindern genommen wird, die schutzlos Besitzansprüchen und ungleichen Auseinandersetzungen ausgeliefert sind.

Wer gegen das „Gleichgewicht des Schreckens“ protestiert, übersieht ein maßgebliches Detail:

Genau das erlaubt es uns, öffentlich „gegen Krieg“ zu sein. Zweifellos pervers, doch so lange solche Versammlungen nur dort gefahrlos möglich sind, wo Waffen die Freiheit dafür und das Recht darauf gewährleisten, statt jede Form von Protest dagegen damit zu unterdrücken, so lange sollten wir uns eingestehen:

Für Barbaren ist es Ostern, Pfingsten und Weihnachten an einem Tag, wenn sie Schutz- und Wehrlose überfallen und ihnen nach Lust und Laune den Schädel einschlagen können.

Das Bild stammt von Pixabay.