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Wo spare ich denn?

Erstellt: 26.07.2022 Lesedauer 4 - 5 Min.

Die Preise explodieren, die Beschaffung erfordert Geduld. Viele träumen vom „Geld sparen“ mit einer Solaranlage. Was eine dehnbare Auslegung von „sparen“ erfordert.

Wer sich eine Solaranlage für 30.000 € oder mehr auf sein Dach schraubt, beruhigt sich damit, dass er in den nächsten 20 bis 30 Jahren viel Geld spart. Natürlich geht weder etwas kaputt, noch bleiben die Preise im Energiemarkt konstant. Sie steigen.

»Natürlich! Sagen alle!«

🔍 Selbst produzierter „Ökostrom“ hat kein zwingendes Sparpotenzial.
Der Energieverbrauch in unserem Einfamilienhaus aus dem Jahr 19321 liegt bei rund 6.500 kWh/Jahr für Strom und Heizung. Geheizt wird mit Wärmepumpen, daher ist Strom die einzige bezogene Energieform. Energie sparen sei – lt. verschiedener einschlägiger „Beratungsportale“ – praktisch unmöglich. Wir lägen schon weit unter dem Durchschnitt.

Könnten mit einer dicken Solaranlage die Stromkosten reduziert werden?

Die Auswahl eines Stromanbieters durch Eigenrecherche statt „Verivox“ oder „Check24“ führt zu monatlichen Stromkosten von rund 140€. Komplett.

Für unseren Verbrauch beginnen die Wärmepumpenstrom-Angebote von „Check24“ bei rund 160€/Monat, zzgl. „Verbrauchsstrom“ ab rund 80€/Monat2.

Also bereits 1.200 €/Jahr mit „selbst suchen“ statt „suchen lassen“ gespart. Ein attraktiver steuerfreier Stundenlohn für knapp drei Stunden Aufwand.

Sparen fängt mit „selbst kümmern“ an.

Wenn vorgerechnet wird, wie mit einer Solaranlage Kosten erheblich sinken würden, lohnt sich der Blick auf „erheblich“.

Bei Solaranlagen muss bedacht werden, dass sich der Strom-Ertrag gegenläufig zum Bedarf verteilt. Der im Winter benötigte Heizstrom fällt im Sommer an. Dafür Batterien als Puffer sind unerschwinglich3. Der Überschuss im Sommer erwirtschaftet einen kleinen Gewinn, der im Winter durch den weiterhin erforderlichen Zukauf mehr als vernichtet wird.

Damit der „Verbrauchsstrom“ gepuffert werden könnte, müssten 10kW Akku im Keller stehen. Der kostet rund 15k€. Mit Zuversicht hält er 10 Jahre. Vielleicht länger, vielleicht kürzer, wer weiß das schon.

Also 1.500€ pro Jahr.

Die „gekaufte“ Kilowatt-Stunde muss über 75 Cent/kWh kosten, bis von „was gespart“ gesprochen werden könnte.

Doch noch fehlen Solarzellen, die den Strom für den Akku produzieren. Bei günstigem Einkauf und einer erhofften Laufzeit von 30 Jahren erhöht sich der „Dekadenpreis“ auf rund 20k€.

„Sparen“ beginnt demnach bei einem Einkaufspreis von 1 €/kWh Strom.

Den Zukunftsplänen für erneuerbare Energie folgend lässt sich Strom immer günstiger produzieren und demnach auch günstiger verkaufen…

Wenn wie von der Bundesregierung geplant, ein „Solardachzwang“ kommt, wird es bizarr:
  • Für den tagsüber im Sommer produzierten Überschuss sind weder die Netze ausgelegt, noch gibt es dafür ansatzweise erforderliche Speicher.
  • Die Bürger produzieren tagsüber „Schnäppen-Strom“ für die Industrie, für den sie das Erstellungs- und Ausfallrisiko tragen und als „Unternehmer“ eine Steuererklärung abgeben müssen.
  • Als Gegenleistung erhalten die Bürger instabilere Stromnetze, sowie hohe Ankaufspreise bei schlechter Sonneneinstrahlung (z.B. nachts).
  • Bei schlechtem Wetter ohne Wind laufen Kohlekraftwerke auf Hochtouren, sobald wir vom Gas unabhängig sind. Oder wir kaufen bei unseren Nachbarn Atomstrom aus deren frisch gebauten Anlagen.
Eine passend bemessene Solaranlage lohnt sich trotzdem.

Ausgehend von den vorausgegangenen Überschlagsrechnungen, lässt sich eine Näherung finden:

  • Das wirtschaftliche Risiko, die erforderlichen Investitionen, sowie der damit verbundenen Steuerstress machen „Strom verkaufen“ aktuell uninteressant.
  • „Weniger Strom kaufen müssen“ ist aktuell nur ohne Akku wirtschaftlich sinnvoll.
  • Eine größere Solaranlage als der eigene Verbrauch tagsüber ist Geldverschwendung.
  • „Strom verschenken“4 schlägt „viel Aufwand für nix verdient“.
Eine Anlage bis 1kWh Maximalleistung ist für viele Haushalte perfekt.

Damit wird tagsüber der Kühlschrank, die Kühltruhe und das Homeoffice versorgt. Bei guter Planung lässt sich eine „Mittagsspitze“ mit der Spül- oder Waschmaschine abschöpfen. Ein möglicher marginale Überschuss macht niemanden nervös – weder das Finanzamt noch den Leitungsbetreiber. Der wird sogar mit dem Verbrauch „verrechnet“ – dazu sind die Leitungsbetreiber verpflichtet.

Selbst bei gleichbleibenden oder wider (meines) Erwarten steigende Strompreisen stehen einer erheblichen Kapitalbindung, Betriebsrisiken und Aufwänden für „größere“ Anlagen gegenüber, die bestenfalls mittelfristig einen bescheidenen Ertrag liefern.

Mein Fazit

Das Meiste lässt sich – ehrlich gerechnet unter den aktuellen Bedingungen – durch die Nutzung großtechnisch erzeugter Energie, mit „24/7-Gewährleistung“ sparen.

Ergänzt mit einem „Balkonkraftwerk“ lässt sich bei überschaubarem Investions- und Betriebsrisiko, sowie geringem Installationsaufwand und Platzbedarf, der erforderliche Strom-Ankauf reduzieren.

Alles über 1kWp „rechnet“ sich momentan nur für Anbieter oder Leute, die Versicherungsrisiken relativ sehen und mit Eigenbau die Marktpreise schlagen.

Einwandbehandlung

Du ignorierst in deiner schlichten Rechnung die Erträge, die mit einer Anlage erzielbar sind.
  • Gesetze der Marktwirtschaft (die mittlerweile bei Solaranalgen wieder gelten) lassen Lieferpreise immer (mehr oder weniger deutlich) unter den Verkaufspreisen liegen.
  • Selbst bei (aktuell noch) max. 6,83 Cent/kWh liegen vor dem „Geld verdienen“ noch rund 68 Cent Erstellungskosten pro KWh (bei meinem Bedarf).
Du rechnest mit deinem niedrigen Verbrauch.

Wer mehr verbraucht, muss in diesem Denkmodell eine entsprechend größere Anlage bauen. Was entsprechende Mehrkosten verursacht. Das ist weitestgehend linear.

Du betrachtest lediglich den „Verbrauchsstrom“.
  • Akkus für die Wärmepumpe sind rein räumlich schon ein Problem, vom Preis ganz abgesehen.
  • Strom für Wärmepumpen ist (aktuell und absehbar) preiswerter als „Verbrauchsstrom“. Die Wirtschaftlichkeit einer „Solarinvestition“ dafür ist offensichtlich noch unattraktiver.
Du musst eine „maximal große“ Anlage errichten.
  • Eine größere Anlage erfordert höhere Investitionen. Individuell unterschiedlich ist die Maximalleistung der Anlage entweder durch den Leitungsbetreiber oder das Dach beschränkt. Oder beides.
  • Je größer, desto niedriger der erzielbare Preis pro kWh.
Du brauchst keine 10kW Akku und Solarzellen.
  • 2000kWh/Jahr → 5,48kWh / Tag.
  • „Durchschnittlich“ ist es viel weniger. Doch Ofen, Spül- oder Waschmaschine eingeschaltet, geht es „satt drüber“, manchmal ist schlechtes Wetter. Der Puffer muss deshalb für „durchnittlich Vollversorgung“ zumindest doppelt so groß wie „das Mittel“ sein.
Auf der Bank gibt es für das Geld keine Zinsen.

Wer dafür „echte Rendite“ will, investiert besser in „weniger brauchen“. Also gute Fenster, effiziente Heizung, sparsamer Kühlschrank, … .

Falls dann noch was übrig ist und „weg muss“, halt doch eine „dicke“ Solaranlage. Bitte kein Styropor an die Hauswand kleben…

Das Bild stammt von Pixabay.

180% der Fenster sind über 20 Jahre alt, ungedämmtes Dach, „Einblasdämmung“ in der Hohlwand-Konstruktion, Kellerdämmung, Deckenheizung.

2Verivox ohne Kontrolle höchst wahrscheinlich vergleichbar.

3Als „Bastler“ habe ich selbstverständlich über den Eigenbau eines Akkus nachgedacht. Das wäre durchaus möglich, doch wenn was schief geht, könnte die Versicherung nach den Zulassungs- und Eignungsunterlagen meinens Eigenbaus fragen. Womit es zum „sparen am falschen Ende“ werden könnte.

4Was überraschend kompliziert bis unmöglich sein kann. Grob zusammengefasst liegt das am deutschen Haftungs- und Steuerrecht.