Ruths letzter Weg

Erstellt: 03.10.2014  Lesedauer 1 - 2 Min.

Neben ihrem Bruno hat Oma Ruth ihre letzte Ruhe gefunden. Im Schatten des Baumes, dessen zarten Trieb sie nach Brunos Beerdigung stehen ließ. Sie war unsicher, ob er noch zur Grabstelle und damit in ihre Zuständigkeit gehörte.

Über die Jahre ist daraus ein stattlicher Baum entstanden. Er war stetiger Quell für leichten Groll ob der verpassten Chance. Denn das Laub des Baums erzeugte über das Jahr immer einen zusätzlichen Aufwand bei der Grab-Pflege. Speziell im Herbst war der Baum ein Unheilsbringer.

Letztendlich hat sich wohl ihren Frieden mit dem Baum gemacht, denn nun wird er ihr und ihrem Bruno, sowie ihrer Mutter im Sommer Schatten spenden und im Herbst sein schützendes und wärmendes Laub über sie decken.

Bei der Beerdigung hat er der Trauergemeinschaft als Sonnenschirm gedient, durch den die strahlende Herbstsonne mit den sanften Windbewegungen immer kurz einen Weg fand, den sie kurz darauf verwarf und einen neuen suchte. Der Baum strahlte eine Ruhe und Gelassenheit aus, die der kleine Trieb vor fast 20 Jahren wohl kaum erahnen ließ.

Den Gebliebenen wird der Baum bei jedem Besuch ein Lächeln ins Gesicht malen; ... ja die Oma Ruth. So richtig fehlen wird Sie uns wohl erst in ein paar Wochen, wenn wir es wirklich verstanden haben, dass sie nicht mehr da ist.

Im Moment ist sie noch überall, als ob sie jeden Moment herein kommen könnte. Der Baum wird für die Kenner der kleinen Anekdote immer ein Anlass sein, mit der sie sich fröhlich an Ruth erinnern. Das hätte sie sich sicherlich nicht von ihrem speziellen Freund erwartet.