Impfangst

Erstellt: 13.05.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

Das ständige Geschwafel über „Impf-Risiken“ sorgt für Nervosität und falsche Entscheidungen.

Ich hatte noch nie in meinem Leben Sorgen wegen einer Impfung. Das war keine naive Sorglosigkeit. Es war eine Vernunft-getriebene Entscheidung. Natürlich gibt es dabei Risiken. Doch wer sich durch jedes Risiko vom eigenen Leben abhalten lässt, schafft es trotz „Zebra-Streifen“ und Fußgänger-Ampel nur schweißgebadet über die Straße. Vorausgesetzt, er1 schafft es bis dorthin. Allein die drei Stufen hinter der Haustür runter zum Bürgersteig erfordern Todesmut: 2010 sind immerhin 1134 Menschen auf deutschen Treppen zu Tode gekommen. Die es bis dahin geschafft haben, wurden prompt von Autos weiter dezimiert. Nochmal 1424 weniger2.

Bei Corona-Impfungen wurden bis April 2021 insgesamt 407 Todesfälle mit der Impfung in Verbindung gebracht. Bei über 14 Millionen Geimpften3. Unstreitig bitter für die Betroffenen, doch statistisch gesehen sind das 0,000028 % der (bis dahin) Geimpften. Im Vergleich zu anderen Lebensrisiken ist dieses „Zusatzrisiko“ äußerst überschaubar. Der Weg nach Hause ist um ein Vielfaches riskanter.

Das alles weiß ich.

Dennoch machte sich kurz vor meiner gegen Corona-Impfung eine spürbare Nervosität bei mir breit. Wer Lotto spielt, hofft auf das Unwahrscheinliche, bei Impfungen greift die medial geschürte Panik um sich, dass gemäß Wahrscheinlichkeit sogar Unwahrscheinliches mal eintritt.

Womit wir wieder bei den Lebensrisiken sind: Aktuell sterben pro Woche noch immer Corona-bedingt rund 1.000 Menschen in Deutschland. Demnach ist die „Trefferquote“ beim „Corona-Bingo“ Ungeimpfter um ein Vielfaches höher. Ausgehend von den Fallzahlen des RKI4, sind von 3.548.285 Covid-19-Erkrankten 85.380 gestorben. Also 2,41 %. Das ist eine rund 8 Millionen-fach höhere Sterbequote gegenüber dem Impfrisiko. Das macht eine Risikobewertung sehr einfach. Könnte man meinen.

Doch von verschiedenen Ärzten wurde mir zugetragen, dass viele Menschen zwar wegen Impfung anfragen, doch für einen Impftermin keine Zeit haben, oder sogar vereinbarten Impfterminen fern bleiben. Ohne Absage. Sie kommen einfach nicht. Das erzeugt erheblichen Mehraufwand in den Arztpraxen. Denn die wollen den raren, wertvollen Impfstoff natürlich nutzen und organisieren nach Möglichkeit „Ersatzspieler“. Wenn in solchen Fällen jemand die Lücke schließt, der gemäß „Priorisierung“ erst später dran wäre, müssen die Ärzte sich zu allem Überfluss dafür rechtfertigen. Wobei die Formulare keine Optionen für „weil 30 davor unerreichbar waren/was besseres zu tun hatten/einfach nicht gekommen sind“ anbieten.

Was vielen Ärzten jedoch mehr als recht sein dürfte. Mutmaßlich würde die Politik im Gegenzug verlangen, dass sie klären müssten, woran das lag. Doch die Optionen „flatterhafte Gesundheitspolitik“ oder „reißerische Berichterstattung der Medien“ oder „wuschig gemacht von sich ständig widersprechenden Meldungen“ wäre da wohl ebenso wenig eine Option zum Ankreuzen.

Wobei es objektiv egal ist, warum Menschen einen Impftermin ungenutzt verstreichen lassen: Andere freut es. Statistisch betrachtet gibt es lediglich die signifikante Wahrscheinlichkeit, dass die Absagenden eine womöglich fatale Fehlentscheidung getroffen haben.

Was ihnen in einem freien Land wie es Deutschland eines ist – trotz gegenteiliger Unkenrufe gerade von Impfgegnern — natürlich zusteht: Ein Selbstmord(versuch) ist keine Straftat5.

Das Bild stammt von Pixabay.

1…,sie,es, schwarz, weiß, gelb, rot, … – das ist keine Missachtung von von irgendwem, -wer, -was, sondern das „generische Maskulinum“.  

2http://www.safety-stripes.com/treppenunfaelle.html "Treppenunfälle - Unfallstatistik 2010"  

3Quelle: Sicherheitsreport des Paul Ehrlich Instituts vom 09.04.2012  

4Quelle: Covid-19 Fallzahlen, Stand: 12.05.2021  

5Menschen aktiv von einer Impfung abhalten könnte dagegen durchaus den Straftatbestand des Totschlags erfüllen. Doch das ist ein grundlegend anderes Thema…