Wer braucht so was?

Erstellt: 26.05.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

»Samsung tüftelt an Ziehharmonika-Smartphone« titelt Giga. Mein erster Gedanke war: Wann tüfteln die wohl mal wieder an etwas Nützlichem?

Wer einigermaßen aufmerksam die Entwicklung bei Mobiltelefonen verfolgt, wird feststellen, dass es objektiv keine Entwicklung mehr gibt. Mir kann keiner weiß machen, dass vier oder mehr Kamera-Linsen auf der Rückseite des Mobiltelefons einen Fortschritt darstellen sollen, wenn es dadurch schwierig wird, das Teil festzuhalten, ohne wenigstens eine davon mit den Fingern zu verschmieren.

Ebenso unsinnig erscheint mir eine Auflösung auf einem Bruchteil der physikalischen Fläche, die schon bei einem 22-Zoll-PC-Monitor die Pixel verschwinden lässt, bei einer Bildrate, die selbst Argus-Äugenden in den meisten Fällen nur „auffällt“, weil sie dafür bezahlt haben.

Aus technischer Sicht mag das alles interessant sein. Doch welchen praktischen Nutzen hat das? Ein schlechtes Spiel wird durch höhere Bildrate oder Auflösung kaum unterhaltsamer. Wenn ein „Mäusekino-Spiel“ tatsächlich von diesen Faktoren abhängt, habe ich Zweifel am Spielwert. Für Inhalte einer E-Mail, eines Chats oder einer Webseite gilt das gleichermaßen, für die urtümlichste Funktion – telefonieren – ist das absolut irrelevant.

Ein „Ziehharmonika-Telefon“ ist vor allem eins: Mechanisch aufwändiger und anfälliger für ein Gymik, dessen praktischer Nutzen primär im Protz-Bereich verortet werden kann. Jeder vermeintlichen Grund für so eine Entwicklung ist genau das: ein vermeintlicher, jedoch kein notwendiger oder gar nützlicher Grund. Es sei denn, ich kann das Teil dann so auffziehen, dass es als Fächer funktioniert, wenn die Klima-Anlage im Büro ausfällt. Ansonsten erscheint mir für den Aufpreis, der absehbar für ein „Falt-Tablet“ aufgerufen werden wird, die Anschaffung eines hochwertigen Tablets ohne Knicke inklusive schicker Tasche und vom Rest sehr edel mit Freunden essen gehen adhoc zweckmäßiger.

Wirklich praktisch für unterwegs wäre ein Mobiltelefon, dass beim ersten Tropfen zum Regenschirm wird, der als Drohne über mir schwebt und mich trocken hält. Von mir aus ziehe ich es mir mit dem ausfahrenden Gummiband als Helf auf, damit die Wassertropfen per Laserstrahl verdampft werden – wäre immer noch nützlich und sähe in jedem Fall spektakulär aus. Oder der Sprach-Assistent schiebt mit „Papier bitte!“ ein paar Blatt Toilettenpapier unter dem Display raus, weil in den Büro-Toiletten mal wieder alle Rollen aufgebraucht sind – warum auch immer.

Doch womöglich bin ich einfach nur zu praktisch veranlagt. Mir ist „weil's geht“ deshalb meistens einfach zu wenig.